Sport : Wilczynski wird bester Torjäger Füchse Berlin verlieren aber 26:30 in Lübbecke

Hartmut Moheit

Berlin - „Diesmal haben wir einen Sonderbotschafter in Essen“, hatte Füchse- Geschäftsführer Bob Hanning etwas hochtrabend angekündigt. Im Kampf um die Torjägerkrone in der Handball-Bundesliga, die der Berliner Linksaußen Konrad Wilczynski fast schon sicher hatte, wollte er nichts dem Zufall überlassen. So beorderte er extra seinen Vater Manfred zum Spiel des TuSEM gegen Melsungen. Per Handy übermittelte dieser jeden Treffer von Savas Karipidis. Sechs Treffer hatte der vor dem letzten Saisonspieltag hinter Wilczynski gelegen.

Was Hanning senior dann nach Lübbecke vermeldete, war letztlich nichts Bedrohliches. Zwar blieb den Berlinern beim 26:30 (14:11) in Lübbecke der Erfolg versagt, aber wenigstens auf den Torjäger war einmal mehr Verlass. In der ersten Halbzeit warf Wilczynski zunächst drei Tore, aber Karipidis war mit fünf um zwei besser. Da wurde es noch einmal eng, und die Füchse versprachen sich gegenseitig in der Halbzeit, ihrem Mitspieler noch mehr zu helfen. Und wie sie das taten: Zwischen der 33. und 41. Minute war Wilczynski von der Siebenmeterlinie und aus dem Feldspiel heraus gleich fünfmal erfolgreich, zog zu diesem Zeitpunkt mit Karipidis gleich. Am Ende gewann er diese interne Wertung sogar mit 11:10, obwohl ihm zwei Fehlwürfe beim Siebenmeter unterliefen

Dass Wilczynski ohne die Taten seiner Mitspieler die nunmehr 237 Treffern in 34 Spielen nicht erreicht hätte, hatte er zuvor bereits betont. Deshalb sagte er auch, dass er sich einen besonderen Dank dafür ausdenken werde. „Was konkret, das muss ich mir jetzt überlegen“, erklärte er nun. Vor dem letzten Saisonspiel der Füchse Berlin war sich der Linksaußen zwar „relativ sicher, dass ich in der Torjägerliste vorn bleibe“, aber das wollte er erst einmal ganz sicher haben. „Da bin ich dann doch abergläubig.“

Es ist schon eine große Überraschung, dass sich ausgerechnet ein Österreicher, noch dazu in seinem ersten Jahr in der Handball-Bundesliga, in dieser Sonderwertung gegen die internationalen Stars der Liga durchgesetzt hat. Entscheidend dafür waren seine besonderen Fähigkeiten beim Siebenmeterwerfen. „Das habe ich schon in der Jugend gern gemacht“, sagt der 26-Jährige. „Wenn ich zum Siebenmeter antrete, entscheide ich immer intuitiv.“ Meist trifft Wilczynski dabei die richtige Entscheidung, obwohl sich die Torhüter mittlerweile besser auf ihn eingestellt haben. „Aber auch ich habe ihre Stärken und Schwächen beobachtet“, beschreibt der flinke Fuchs das Duell zweier Handballprofis. Zu seinen besonderen Stärken zählen aber genauso gut das Konterspiel und die Trickwürfe, die einen herausragenden Außenspieler erst von einem durchschnittlichen unterscheiden. „Mein Vorteil ist sicherlich, dass ich bei aller Anspannung immer sehr ruhig bin und nie ans Scheitern denke“, beschreibt sich Wilczynski.

Die Füchse Berlin waren sehr gut beraten, mit so einem Spieler rechtzeitig den Vertrag bis 2011 zu verlängern. Prominentere Teams, als es die Füchse sind, würden ihn liebend gern verpflichten. „Ich glaube aber, dass ich mich bei den Füchsen weiter entwickeln kann“, sagt Wilczynski, „bisher ist alles eingetroffen, was mir Bob Hanning vor drei Jahren versprochen hat.“ Wilczynski, auf den Hanning durch Zufall aufmerksam geworden ist als „ich einen anderen Spieler beobachtet hatte“, ist deshalb mit den Füchsen auch zwei Jahre lang durch die Zweite Bundesliga gegangen. „Ich habe mir die Zeit selbst gegeben, und jetzt träume ich natürlich davon, in Berlin auch international spielen zu können“, sagt der BWL-Student, dessen Eltern vor 30 Jahren aus Polen nach Österreich gekommen waren.

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