Sport : Wild wie ein Aktenordner Warum der Tourneesieger

Janne Ahonen anders lacht

Benedikt Voigt

Vielleicht ist alles nur ein Trick von Janne Ahonen. „Er ist ein ruhiger Typ, der sich nicht immer freut“, sagte der Skispringer Martin Höllwarth, „aber das ist nicht der schlechteste Weg, dadurch wird er interessant.“ Das Schweigen des Finnen, sich wild wie ein Aktenordner zu geben, seine Ernsthaftigkeit, das alles soll nur ein PR-Gag sein? Finnische Journalisten berichten, dass Ahonen Geschichten erzählt und Witze reißt, wenn er Freunde trifft.

In Bischofshofen spielte Janne Ahonen aber wieder jene Rolle, in der er sich in der Öffentlichkeit wohl fühlt. „Lachen Sie doch mal“, sagte der Moderator des ORF, als der Finne zum zweiten Mal in seiner Karriere die Vierschanzentournee gewonnen hatte. „Ich lache“, sagte der 25-Jährige und verzog keine Miene. Der Gesamtsieg war ihm souverän gelungen, er hatte mit den Plätzen drei, fünf, eins und vier die beständigste Leistung gebracht, dazu die Weltcup-Führung erkämpft. Trotzdem jubelte er nicht. „Ich bin glücklich“, sagte Ahonen, und sah aus, als sei er es nicht. Vielleicht bereitete ihm ja auch das Auto Sorgen, das er als Sieger erhielt. Der Audi ist zwar 70 000 Euro wert, doch die Einfuhrsteuern in Finnland sind enorm. „Ich habe nicht genug Geld, um diese Steuern zu bezahlen“, sagte Ahonen. Es war ein Scherz.

Seine starke sportliche Leistung führt Ahonen auf das gute Sommer-Training zurück. „Er ist einer der komplettesten Springer im Weltcup“, sagt Österreichs Sportdirektor Toni Innauer. Auch dass er nun als Vater eines einjährigen Sohnes im Weltcup mitspringt, hat ihn reifen lassen. „Ich bin mental gewachsen“, erklärt er. Schon 1999 hat er die Tournee gewonnen, doch damals war ihm kein Einzelerfolg gelungen.

Früher trug Janne Ahonen bei seinen Sprüngen eine Maske, die sein komplettes Gesicht bedeckte. Nun setzt er eine undurchsichtige Brille auf, die seine Augen verbirgt. Auch der Helmsponsor passt zu seinem Image als schweigsamer Finne. „Dark Dog“ heißt der Energy-Drink, für den er wirbt, dunkler Hund. Dabei kann Janne Ahonen doch humorvoll sein. Im Training in Oberstdorf hätte ihn eine Pfütze in der Anlaufspur beinahe stürzen lassen. In der Luft musste der Finne mit rudernden Armen um sein Gleichgewicht kämpfen, nach wenigen Metern setzte er wieder auf den Boden auf – und feierte seine Landung. Beide Fäuste reckte er in die Höhe und lachte ausgiebig. Das kann er nämlich.

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