Sport : Wildmoser allein zu Haus

"Alles Quatsch", hätte er gesagt, wenn ihm ein Journalist die Nachricht von seiner Entlassung überbracht hätte. Oder: "Interessiert mich nicht." Dann hätte er sich über seine seltsame silbergraue Mähne gestrichen, mit den Mundwinkeln gezuckt oder kurz mit der Zunge gewackelt, und einen Espresso hinuntergestürzt. Man kann sich das alles so leicht vorstellen, weil man es schon so oft gesehen hat. Und deshalb fällt es auch so schwer zu glauben, dass es diesen Werner Lorant beim TSV 1860 München nicht mehr geben soll. Doch es stimmt.

Der TSV 1860 München hat Trainer Werner Lorant nach neun Jahren Zusammenarbeit entlassen. Das hatte sich zwar angekündigt, doch es gab Zeitpunkte, zu denen Lorants Demission dringlicher erschien. Eine 1:5-Niederlage gegen den FC Bayern München im Olympiastadion ist schon besseren Teams widerfahren. Doch immerhin ist es Präsident Karl-Heinz Wildmoser mit seiner Entscheidung gelungen, die Öffentlichkeit zu überraschen. Doch damit setzte sich der Großgastronom auch selbst unter Druck. Bislang hatte es Wildmoser-Lorant und Lorant-Wildmoser beim TSV 1860 als unzertrennliches Gespann gegeben. Gemeinsam hatten die ungleichen Freunde den Klub von der Bayernliga bis in die Qualifikation zur Champions League gebracht. Nun aber stellt sich die Frage: Was kann Wildmoser ohne Lorant? Als erstes hat der Präsident den Kotrainer Peter Pacult zum Cheftrainer befördert, doch das ist schon eine umstrittene Wahl. Wenn Lorant wegen einer verbalen Entgleisung mal wieder gesperrt war, musste der Österreicher die Anweisungen seines Vorgesetzten von der Haupttribüne entgegennehmen. Pacult ist ein loyaler Vasall von Werner Lorant. Doch solche Eigenschaften sind jetzt beim TSV 1860 nicht mehr gefragt.

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