Sport : Wildmoser vom Präsidentenamt zurückgetreten

Karl Auer tritt bei 1860 München seine Nachfolge an

Daniel Pontzen

München. Des Volkes Zorn kann einem teuren Auto nicht bekommen, also trafen die Bediensteten vom TSV 1860 München ihre Vorkehrungen. Der silberne Audi A8 mit dem Kennzeichen M - WS 2200, den Karl-Heinz Wildmoser am frühen Nachmittag raumgreifend auf dem Bordstein direkt vor dem Trainingsgelände an der Grünwalder Straße geparkt hatte, musste in Sicherheit gebracht werden. Also setzte sich der 1860-Angestellte Timo Schiller in den Wagen, lenkte ihn durch das Absperrgitter, vorbei an einer frühzeitig versammelten Fan- und Reporterschar, auf das Vereinsgelände und parkte ihn rückwärts ein, direkt vor dem Kabineneingang. Die kleine Gefälligkeit am frühen Montagabend war die letzte Dienstleistung, die Karl-Heinz Wildmoser in seinem Amt als Präsident des Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München in Anspruch nehmen durfte. Auf der Sondersitzung des Aufsichtsrates am Abend erklärte Wildmoser gleich zu Beginn seinen Rücktritt vom höchsten Amt im Verein. Als neuen Präsidenten berief das Gremium den bisher im Aufsichtsrat tätigen Wurstfabrikanten Karl Auer, sein Stellvertreter ist künftig der ehemalige bayerische Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair.

„Ich bin überrascht. Mit diesem Votum für mich hatte ich vor der Sitzung gar nicht gerechnet“, sagte der neue Präsident Auer. Die bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier, ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat vom TSV 1860, sprach hinterher von „einer ehrenvollen Lösung“. Sie sagte weiter: „Herr Wildmoser hat den Weg freigemacht für einen Neuanfang.“ Der neue Vizepräsident Zehetmair mahnte: „Die große Geschlossenheit im Verein ist jetzt wichtiger denn je.“

Gestolpert ist Karl-Heinz Wildmoser über die Schmiergeldaffäre um den Stadion-Neubau in München. Sein Sohn, Karl-Heinz Wildmoser junior sitzt als Hauptbeschuldigter nach wie vor in Haft. Inzwischen wurden neue Ermittlungsergebnisse bekannt, wonach rund 1,7 Millionen der 2,8 Millionen Euro Bestechungsgeld über Schweizer Konten geflossen sind. Dies bestätigte der Anwalt von Wildmoser junior.

1860 Münchens Lokalrivale, der FC Bayern, der zugleich Partner beim Stadionausbau ist, hat sich erst einmal darauf verständigt, nicht mehr mit Wildmoser senior zu verhandeln. „Solange die Vorwürfe gegen Herrn Wildmoser bestehen, werden wir uns mit ihm nicht mehr an einen Tisch setzen, dafür ist zu viel vorgefallen“, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Der Münchner Zeitung „tz“ verriet Hoeneß, dass der FC Bayern sogar noch einen Schritt weitergehen wird: „Unsere Anwälte bereiten derzeit für die Allianz Arena München Stadion GmbH eine Zivilklage gegen Herrn Wildmoser junior vor.“ Zudem teilte der Bayern-Manager mit, dass die Stadion GmbH „und damit auch der TSV 1860 München als Gesellschafter“, auch gegen Wildmoser senior klagen werde, sollten sich die Vorwürfe gegen den numehr geschassten 1860-Präsidenten bestätigen.

„Wenn mir einer blöd kommt, stehe ich auf und gehe. In so einem Amt bist du letztlich nur eine Marionette“, hatte Wildmoser senior schon am Tage zuvor im Hinblick auf die Aufsichtsratssitzung verkündet. Als Wildmosers Audi gestern Abend gegen 21.37 Uhr vom Klubgelände auf die Grünwalder Straße rollte, war der Fahrer dann tatsächlich nicht mehr Präsident des TSV 1860 München.

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