Sport : Wille und Weg

Michael Rosentritt

über die Situation der Fußball-Nationalmannschaft Eines kann man Jürgen Klinsmann wirklich nicht vorwerfen: Die Länderspielplanung bis hin zur Weltmeisterschaft ist mehrheitlich auf seinen Vorgänger Rudi Völler zurückzuführen. Zehn Tage, so lange wie bis zur WM-Vorbereitung nicht mehr, war die Mannschaft zusammen. Und was ist dabei herausgekommen? Dass der Mannschaft ohne Ballack ein Stück Klasse fehlt, war bekannt. Ebenso, dass ein gesunder Metzelder der Abwehr Stabilität verleihen kann. Und sonst? Zur Wahl stehen zwei Erkenntnisse. Erstens, dass ein Fitnesstest, den sogar der 41 Jahre alte Bundestrainer locker durchsteht, den Profis schwere Beine macht (in der Türkei). Oder vielleicht zweitens, dass man jetzt schon im eigenen Land ausgepfiffen wird (China).

„Der Wille war da, aber der Weg hat nicht zum Ziel geführt.“ Als Klinsmann diesen Satz nach dem China-Spiel sagte, war ihm womöglich nicht klar, wie exakt er damit die vergangenen eineinhalb Wochen charakterisiert hatte. Da, wo die Mannschaft in diesem Herbst steht, stand sie auch schon vor einem Jahr. Dem Spiel der Deutschen sind das Tempo, der Mut und das Selbstvertrauen abhanden gekommen. Während beim Confed-Cup eine Vorwärtsentwicklung festzustellen war, befindet sich die Mannschaft seit vier Länderspielen auf dem Rückzug von einem bisher erreichten Zwischenniveau. Eine Erkenntnis, die bei nur noch fünf ausstehenden Testspielen, nicht gerade grenzenlosen Optimismus auslöst.

Trotz der unglücklichen Länderspielplanung müsste die Mannschaft weiter sein. Die Mannschaft braucht eine klare Struktur. Der erste Zeitpunkt, gleich nach dem Confed-Cup mit einer auf sieben, acht Positionen festen Formation in die WM-Saison zu gehen, ist verpasst. Vielleicht bringt die Personalie Metzelder Schwung in diese Angelegenheit. Kontur würde der Mannschaft helfen, ganz gleich wann und wo und gegen wen sie spielt.

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