Willi Daume : Die Vergangenheit ruht nicht

Eine neue Studie belegt, dass der verstorbene Sportfunktionär Willi Daume für die SS gearbeitet hat.

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Foto: dpaZentralbild

Berlin - Willi Daume, einer der bedeutendsten deutschen Sportfunktionäre, hat neuesten Forschungsergebnissen zufolge während des Zweiten Weltkrieges als Informant für den Sicherheitsdienst (SD) der SS gearbeitet. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, geht dies aus einer nun veröffentlichten Dissertation des Historikers Jan C. Rode von der Universität Hannover hervor. Nach den Erkenntnissen des Wissenschaftlers war der 1996 gestorbene Daume Ende des Jahres 1937 der NSDAP beigetreten und hatte von 1943 an für den SD berichtet. Die Tätigkeit für den SD soll Willi Daume selber Anfang der Neunzigerjahre in bislang unveröffentlichten Interviews mit Mitarbeitern der Universität Hannover zugegeben haben.

„Vermutlich sollte Daume über Widerständler in Holland Auskunft geben“, sagte Rode „Welt Online“. Die Akte aus Daumes Entnazifizierungsverfahren, die im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf lagert, sowie Dokumente des Auswärtigen Amts in Berlin belegen laut Rode, dass Daume mit Antrag vom 20. Dezember 1937 in die Partei aufgenommen worden war. Seine Mitgliedsnummer lautete 6098980. In den Interviews mit den Mitarbeitern der Universität Hannover hatte Daume sich verteidigt, er habe die SD-Berichte lediglich angefertigt, um einem Fronteinsatz in Stalingrad zu entgehen. Außerdem seien sie so „blödsinnig“ gewesen, dass der SD das Interesse an seiner Mitarbeit verloren habe.

Der Industriellensohn Daume hatte 1938 nach dem Tod seines Vaters die Leitung der familieneigenen Eisengießerei in Dortmund übernommen. Nach Kriegsende stieg er zum bedeutendsten Sportfunktionär der Bundesrepublik auf und gehörte bis 1991 dem Internationalen Olympischen Komitee an, dessen Vizepräsident er von 1972 bis 1976 war. Populär machten ihn in Deutschland vor allem die Olympischen Spiele von München 1972. 36 Jahre zuvor, bei den Spielen in Berlin, hatte Daume für die deutsche Mannschaft Basketball gespielt. dpa

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