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Nach dem Wirbel um seinen angeblichen Drogenkonsum trifft Thorben Marx bei Herthas 3:0 in Nürnberg

Detlef Dresslein

Nürnberg. Wieder einmal stand Thorben Marx der Schweiß auf der Stirn. Diesmal aber gab es gute Gründe dafür. Der 22-jährige Mittelfeldspieler von Hertha BSC hatte das Tor zum vorentscheidenen 2:0 im Frankenstadion erzielt und auch sonst maßgeblichen Anteil am 3:0 (2:0)-Sieg des Berliner Bundesligisten gestern Abend beim Club, wie der 1. FC Nürnberg in der Fußball-Bundesliga genannt wird. Michael Preetz und Marcelinho erzielten die weiteren Treffer. Hertha ist damit das drittbeste Team der Rückrunde und klettert eine Woche nach dem 6:0-Erfolg gegen 1860 München auf den fünften Tabellenplatz, der zur Teilnahme am Uefa-Cup berechtigt.

Noch außer Atem feierte Thorben Marx am Spielfeldrand. Der U-21-Nationalspieler hätte wohl keinen besseren Zeitpunkt für sein erstes Saisontor finden können. Unter der Woche war er in die Schlagzeilen geraten. Im Zuge einer Verkehrskontrolle war Marx vorschnell mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht worden, weil er so stark geschwitzt hatte und seine Augen rot verfärbt waren. Nach einer auf Wunsch des Vereins hin beschleunigten Blutkontrolle erwiesen sich die Verdächtigungen zwar als haltlos, gleichwohl hatte der öffentliche Rummel Spuren hinterlassen. Dennoch zögerte Trainer Huub Stevens nicht einen Moment, den Mittelfeldspieler gegen Nürnberg aufzubieten. Kurz vor dem Pausenpfiff erzielte Marx ein sehenswertes Tor per Volleyschuss. Marcelinho hatte ihm den Ball halbhoch aufgelegt. „Ich freue mich riesig“, sagte der Torschütze, „dadurch wurde der Gegner noch zusätzlich verunsichert.“

Dazu beigetragen hatte schon die frühe Führung der Berliner durch Kapitän Michael Preetz. Der Mittelstürmer vollendete eine Kopfballverlängerung Luizaos nach einer Ecke von Stefan Beinlich. Da war eine Viertelstunde vergangen. In der Folgezeit hatte Herthas Kapitän drei weitere Einschussmöglichkeiten, die er aber allesamt nicht nutzen konnte. So also wird es noch dauern, bis er den internen Torschützenrekord von Erich Beer (83 Treffer) einstellen und übertreffen kann. Preetz hat bisher 82 Tore für Hertha erzielt. Die Schwächen im Abschluss waren der wesentliche Kritikpunkt für Trainer Stevens. „In der ersten Halbzeit hätten wir drei oder vier Tore vorlegen müssen“, sagte der Niederländer. „Gut, dass wir hier gewonnen haben, aber nach dem 2:0 durch Thorben hätten wir mehr Ruhe in unser Spiel bringen müssen.“

In erster Linie war es den untauglichen Bemühungen der Nürnberger zuzuschreiben, dass Hertha nie ernsthaft in Gefahr geriet. Erst mit Beginn der zweiten Halbzeit hatte Nürnbergs Trainer Klaus Augenthaler in Cacau einen zweiten Stürmer neben Ciric aufgeboten. Nach einer gespielten Stunde waren erste Ansätze des Aufbäumens bei den Nürnbergern zu erkennen gewesen. Hertha hatte sich zwischenzeitlich in die Defensive drängen lassen. Nach vorn ging nichts mehr, abgesehen von zwei Schüssen von Marx und Marcelinho, die Nürnbergs Torwart Kampa aber parieren konnte. Auf der Gegenseite ergaben sich gute Möglichkeiten für Cacau. In der Endphase dann klärte Herthas Abwehrchef Dick van Burik gegen den ehemaligen Berliner Michalke, der für Nürnbergs Torjäger Ciric eingewechselt worden war.

Auch Stevens hatte gewechselt. Für Luizao, der mit zunehmender Zeit schwächer wurde, war dessen brasilianischer Landsmann Alex Alves gekommen. Und für Beinlich, der zum wiederholten Male ein gute Leistung als defensiver Spielgestalter zeigte, durfte Bart Goor aufs Feld. Dessen Hereinnahme sollte sich auszahlen. Fünf Minuten vor dem Abpfiff schickte der Belgier den flinken Marcelinho auf die Reise, der dem herauseilenden Kampa keine Abwehrchance ließ.

„Wir haben heute nicht das beste Spiel gespielt“, sagte Stevens hinterher. Kommenden Sonntag kommt Energie Cottbus ins Berliner Olympiastadion. „Wir werden uns steigern müssen, wenn wir eine kleine Serie starten wollen“, sagte Thorben Marx und wischte sich fürs Erste den Schweiß von der Stirn.

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