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Auch unter dem neuen Trainer bleibt Nürnberg sieglos – Bremen gewinnt 2:0 und holt die Bayern ein

Frank Hellmann[Bremen]

Nimmt die Leidenszeit denn gar kein Ende? Auch unter dem neuen Trainer Thomas von Heesen setzt sich die Negativserie des 1. FC Nürnberg fort. Nur zwei Tage nach dem 0:1 im Uefa-Pokal bei Benfica Lissabon kassierten die Franken nun eine 0:2 (0:1)-Niederlage bei Werder Bremen, die den Pokalsieger weiter in Bedrängnis bringt. „Wir müssen uns schnell als Gemeinschaft finden“, erklärte von Heesen, „ich bin überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“ Was sollte der 46-Jährige nach der Begegnung im Weserstadion auch anderes sagen, wo Werder den punktgleichen Tabellenführer FC Bayern in einer schmucklosen Partie immerhin dank der Tore von Markus Rosenberg und Ivan Klasnic unter Zugzwang brachte. „Brilliert haben wir nicht“, sagte der Bremer Trainer Thomas Schaaf. Und Abwehrchef Per Mertesacker räumte ein: „Das war ein langweiliges Spiel. Wir haben uns zu wenig bewegt.“

Wer weiß wie es gelaufen wäre, hätte nicht Schiedsrichter Florian Meyer nach 20 Minuten die Gäste per Platzverweis dezimiert. Der bereits verwarnte Ivan Saenko kassierte Gelb Rot, als der Russe den notwendigen Abstand bei einem schnell ausgeführten Bremer Freistoß an der Mittellinie nicht einhielt und den Ball mit dem Fuß blockte. Eine Dummheit, die zum einen das taktische Konzept des bis dato diszipliniert agierenden „Club“ konterkarierte, zum anderen von den Verantwortlichen kritisiert wurde. „Das war der Knackpunkt in unserem Spiel, aus meiner Sicht war die Gelb-Rote Karte berechtigt“, sagte von Heesen. „Dafür aber habe ich in unserer Situation kein Verständnis“, moserte Manager Martin Bader.

Der Sünder war sich keiner Schuld bewusst. „Ich finde das zu hart. Er hätte mich auch ein letztes Mal ermahnen können“, sagte Saenko. Der 24-Jährige entschuldigte sich noch in der Halbzeitpause bei den Kollegen, die kollektiv vom „fehlenden Fingerspitzengefühl“ des Referees faselten. Von Heesen hatte da eine andere Meinung: „Er muss sich gar nicht entschuldigen, sondern aus dieser Sache sehr schnell lernen. Saenko sei, ergänzte Bader mit ironischem Unterton, ja „keine 19 Jahre jung und nicht das erste Jahr in der Bundesliga“.

Genauso töricht wie der Angreifer stellte sich Abwehrrecke Andreas Wolf beim vorentscheidenden 0:1 an. Beim Klärungsversuch trat der Franke ein Luftloch, der Schwede Rosenberg bedankte sich. „Ich mache den Bock: Mir springt der Ball blöd an die Hacken“, gab Wolf zu. „Ich erwarte, dass man so einen Ball nicht mit der Hacke klärt, sondern ihn auf die Tribüne haut“, sagte von Heesen.

Ansonsten war der erst vor vier Tagen installierte Trainer bemüht, die wenigen positiven Ansätze aus dem zweiten Pflichtspiel innerhalb von 40 Stunden zu filtern. Genau wie in Lissabon, wo die Nürnberger im Vorwärtsspiel ohne Misimovic, Mintal, Vittek und Charisteas ähnlich harmlos geblieben waren, lobte von Heesen die „Moral und Laufbereitschaft“. Dass der Konzepttrainer eingedenk fehlender Trainingseinheiten noch kein Konzept kreieren könnte, ist ihm bewusst. Dennoch versprach er: „Inhaltlich habe ich noch nicht arbeiten können, aber ich spüre schon: Die Mannschaft nimmt an, was man ihr sagt.“ Am besten hört sie auf den Rat des neuen Trainers, das nächste Heimspiel gegen Cottbus „unbedingt zu gewinnen“.

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