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Alexander Cejka golft erstmals auf der US-Profi-Tour

Hartmut Moheit

Berlin. Welcher Profi freut sich schon über einen 67. Platz? Wohl keiner. Es sei denn, er ist Golfer, heißt Alexander Cejka und spielt zum ersten Mal auf der US-Tour. Bei den derzeit laufenden Hawaii Open war das genau jene Platzierung, die sich der 33-Jährige zunächst vorgenommen hatte. Wäre Cejka der Golfball einmal mehr am Loch vorbeigerollt, dann hätte er von den 4,5 Millionen Dollar Preisgeld keinen Cent bekommen. In der Golfersprache ausgedrückt: Cejka hätte den Cut verpasst und damit die zwei Finalrunden. So, wie es auf Hawaii einem berühmten Trio ergangen ist: Fred Couples und Rich Beem aus den USA sowie dem Spanier Jose-Maria Olazabal, die als US-Masters-Sieger oder Gewinner bei den US-PGA-Championships zu den Größen in der Szene zählen.

Dazu gehört Cejka noch nicht, das sagt er selbst. Er müsse erst einmal lernen. Dass er sich aber nunmehr öfter mit den Stars messen könne, sei für ihn ungemein wichtig. Auch die Chance, in den USA mehr Geld verdienen zu können, hätte ihn gereizt, obwohl seine im vergangenen Jahr in Europa gewonnenen 846 000 Euro Preisgeld schon recht ordentlich waren. Aber auf der US-Tour schüttet die Professional Golf Association 225 Millionen Dollar an Prämien für 48 Turniere aus. Das erklärt auch die Zahl von 1300 Golfern, die sich – gemeinsam mit Cejka – vor dieser Saison für eine Tour-Karte in den USA beworben hatten. Jeder von ihnen zahlte 4000 Dollar, am Ende waren es gerade einmal 35, die sich ihren Traum erfüllten. Cejka war Zweiter geworden, sein Vorsprung auf den 35. Rang hatte sieben Schläge betragen.

Seitdem hat er ein Problem: Wie spiele ich viele Turniere in den USA, ohne in Europa meine Startberechtigung zu verlieren? Außerdem gibt es auch auf der European-PGA-Tour allein in Deutschland drei große Turniere. So hat Ausnahmegolfer Tiger Woods bereits für die Deutsche Bank SAP Open im Mai in Hamburg zugesagt, gibt es im August die BMW International Open in München und im September die Linde German Masters in Köln.

Alexander Cejka ist damit dort angekommen, wo er immer hin wollte. Den ersten Golfschläger hatte er schon als kleiner Junge in seiner tschechischen Heimat in Marienbad in den Händen. So richtig erinnern kann er sich an diese Zeit nicht. Erst mit der Flucht an der Seite des Vaters aus der damaligen CSSR über Jugoslawien, Italien und die Schweiz nach Deutschland, als er neun Jahre alt war, setzt sein volles Erinnerungsvermögen ein. Den deutschen Pass bekam er 1989.

Nachdem Cejka 1995 auf der Europa-Tour drei Siege erreichen konnte, glaubten viele, bereits den Nachfolger von Bernhard Langer gesehen zu haben. Aber Cejka war ein völlig anderer Typ als der Schwabe aus Anhausen, den bis dahin einzigen deutschen Golfer von Weltruf. „Ich will ja nicht unbedingt Millionär werden, aber ich will wie einer leben“, sagte er damals – und handelte auch so. Bernhard Langer dagegen war längst einer, aber er lebte nicht so. Während also Cejka die Fahrten im Ferrari genoss, die Haare färbte, im Trikot des FC Bayern am Abschlag erschien und als Kettenraucher auffiel, sorgte Langer weiter für sportliche Schlagzeilen.

„Den wilden Hund habe ich zu Hause gelassen“, sagt Cejka jetzt und nennt Langer nunmehr sein Vorbild. Ohne die Eskapaden von einst und mit dem neuen Trainer Heinz-Peter Thül kamen die Erfolge zurück. Und wenn es erst einmal ein 67. Platz war.

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