Sport : Willkommen im Klub

Auch Frankreichs Fußball droht ein Skandal

Christian Tretbar

Fußball und Justiz scheinen in diesen Tagen eine besonders enge Beziehung einzugehen. Nicht nur in Deutschland. Jetzt hat es auch die Franzosen erwischt. 19 Hausdurchsuchungen wurden bei Vereinen, Fernsehanstalten, Fußballverband, Ligavertretung, zahlreichen Sportagenturen und Spielervermittlern in den vergangenen Tagen vorgenommen. Nahezu alles, was im französischen Fußball einen Namen hat, ist involviert: Paris St. Germain, Olympique Marseille, Olympique Lyon, Girondins Bordeaux und der RC Lens. Aber auch der Fußball-Verband FFF, die Ligavereinigung LFP und diverse Sportagenturen wie beispielsweise Sportfive und IMG wurden durchsucht. Genauso die Fernsehanstalten Canal+, Eurosport, Sport+ und TPS.

Die Vorwürfe sind umfassend. Es geht um Betrug, Schmiergeldzahlungen, Wettbewerbsverzerrung und Hehlerei. Ein Mann steht dabei im Mittelpunkt. Er heißt Jean-Claude Darmon und wird „der große Financier des französischen Fußballs“ genannt. Seit dreißig Jahren regiert der 63-Jährige im Hintergrund. Zunächst war er lange beim Verband als Marketingchef beschäftigt. Diesen Posten verlor er, aber mit seiner Sportagentur blieb er weiterhin hauptverantwortlich für die Vermarktung der Nationalmannschaft.

Darmon und Canal+ gründeten im Jahr 1999 den so genannten „Club Europe“. Er sollte ambitionierte französische Vereine fit für die Champions League machen. Paris, Marseille, Lyon, Bordeaux, Monaco und Lens gehörten dem Klub an. Sie sollten ihre Fernsehrechte an Canal+ vorverkaufen und dafür rund 252 Millionen Euro bekommen. Da aber die Rechte in Frankreich zentral vermarktet werden, war der Vertrag wirkungslos. Das Geld soll trotzdem geflossen sein. Die Bedeutung des Senders Canal+ für den französischen Fußball ist enorm, größer als es die der Kirch-Gruppe für die Bundesliga war. Gerade erst hat Canal+ für eine Rekordsumme von 600 Millionen Euro pro Jahr die Fernsehrechte der Ersten und Zweiten französischen Liga erworben. Die Ermittlungen sollen nun auch klären, warum dieser Betrag so astronomisch hoch ist.

Deshalb werden jetzt die Büroräume der Vereine durchsucht. Besonders prekär ist die Situation für Paris. Denn Canal+ ist Hauptanteilseigner des Klubs, außerdem hat auch dort Darmon seine Finger im Spiel. Bei mehr als 100 Transfers, die St. Germain seit 1998 getätigt hat, soll es Schmiergeldzahlungen gegeben haben. Vor allem der Transfer von Ronaldinho nach Barcelona wird unter die Lupe genommen. Ehemalige Verantwortliche des Klubs und über 80 Spielervermittler mussten dazu vor Gericht aussagen.

Doch der Skandal erreicht auch die Nationalmannschaft. Denn Darmons Sportagentur fusionierte 2001 mit dem Sender Sport+ (einer Tochter von Canal+) und der Ufa-Sportgruppe zu Sportfive. Dieses Konglomerat vermarktet die Nationalmannschaft, dabei soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Der Verband spricht von 62 000 Euro, die in der Kasse fehlen – die Staatsanwaltschaft geht dagegen von rund 14 Millionen aus.

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