Sport : Willkommen im Klub

Niklaus reiht sich ein bei den Zehnkampfstars

Friedhard Teuffel[Helsinki]

Manche Mitgliedschaften werden per Handschlag besiegelt und manche mit einem mehrseitigen Formular. André Niklaus wurde mit einem Klopfen auf die Schulter und einem Klaps auf den Hintern in einen Klub aufgenommen. Das Komitee, das darüber befand, bestand aus dem neuen Zehnkampf-Weltmeister Bryan Clay aus den USA, dem Weltrekordhalter Roman Sebrle aus Tschechien sowie Sebrles Landsmann Tomás Dvorák, dem früheren Weltmeister. Ihre Entscheidung fiel spontan nach der letzten Disziplin, dem 1500-Meter-Rennen. Sie gaben dem Berliner zu verstehen: Du bist jetzt einer von uns.

Es ist ein besonderer Kreis, dem Niklaus da angehört, wenn man so will der Hochadel der Leichtathletik, schließlich ist der Sieger der Zehnkämpfer immer ein König. Das Privileg, das ihm die drei anderen einräumten, deutete Niklaus so: „Jetzt machen wir einen richtigen Wettkampf mit dir.“ Zur Aufnahme reicht eine gute Punktzahl jedenfalls nicht. Daher waren es nicht seine Bestleistung von 8316 Punkten und der vierte Platz allein. Entscheidend war, dass er den Wettbewerb bereichert hatte.

Am Tag nach seinem Triumph saß Niklaus auf einem Sofa im Repräsentationsquartier des deutschen Verbandes, einem Restaurant namens Töölöranta. Zufrieden sagte er: „Ich habe seit 1999 jedes Jahr meine Bestleistung gesteigert.“ Helsinki könnte daher ein Etappenziel gewesen sein. Sein Körper habe die Belastungen gut ausgehalten, und die Bedingungen für Leistungssport seien ausgezeichnet, Niklaus ist in einer Sportförderkompanie und will jetzt noch ein Onlinestudium Medieninformatik beginnen. Und er will „jedes Jahr 100 Punkte mehr“. Das könnte reichen, um bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking eine Medaille zu gewinnen und erst recht 2009 bei der WM im Berliner Olympiastadion.

Zuvor will sich Niklaus nicht in die Ahnenreihe der erfolgreichen deutschen Zehnkämpfer stellen, die nach den Erfolgen von Frank Busemann, dem Olympiazweiten von 1996, unterbrochen war. Mit seinen 23 Jahren hat Niklaus nicht nur einen Aufstieg erlebt, sondern auch einen kleinen Absturz. Nach seinem achten Platz bei der Weltmeisterschaft 2003 in Paris war er eine große Hoffnung. Ein junger erfolgreicher Athlet mit einem wohlproportionierten Körper und der Ausstrahlung eines Strandurlaubers. Doch all die gute Stimmung war dahin, als Niklaus die Olympia-Teilnahme verpasste.

Mittlerweile teilt Niklaus seine Kräfte im Wettkampf gut ein. In Helsinki brach er das Kugelstoßen ab, nachdem er im ersten Versuch persönliche Bestweite erzielt hatte; im Hochsprung hörte er bei 2,03 Metern auf, weil er kein Risiko auf der nassen Anlage eingehen wollte. Am zweiten Tag setzte er die eingesparte Kraft um in Bestweiten im Diskuswerfen, Speerwerfen und Stabhochsprung. „Ein Lustspiel in zehn Akten“, nannte Bundestrainer Jürgen Mallow die Vorstellung des Berliners. Niklaus darf es nun genießen, Mitglied im athletischsten aller Männerbünde zu sein.

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