Sport : Willkommen in der Realität

EM-Mitfavorit Italien spielt gegen Dänemark nur 0:0

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Hat Italiens Nationalmannschaft nicht aus den Schmerzen gelernt, die sie vor vier Jahren in Rotterdam ertragen musste, als sie zehn Sekunden vorm Gipfel in Europa Titel und Trophäe aus den Händen gab und den Franzosen überließ? Ganz zu schweigen von den Qualen und der Wut nach dem WMAus 2002 gegen Südkorea. Es hat nicht viel gefehlt, und das masochistische Kapitel des italienischen Fußballs wäre gestern vor 30 000 Zuschauern in Guimaraes fortgeschrieben worden. Kein einziger Spieler Italiens, war besser als jeder Däne, der gerade seinen Weg kreuzte. Wenn man ihm vor dem Spiel ein Remis angeboten hätte, hätte er den einen Zähler gern angenommen, sagte Dänemarks Trainer Morten Olsen. Nach dem 0:0 aber gehe er mit gespaltenen Gefühlen aus dem Stadion, „denn wir hätten es verdient gehabt zu gewinnen.“

Diese Meinung besitzt der dänische Trainer nicht exklusiv. Auch Olsens Gegenspieler Giovanni Trapattoni wusste, dass seine Mannschaft gerade noch einmal davongekommen war. Allerdings nur, weil sich der große Francesco Totti, um den sich im italienischen Spiel fast alles dreht, nach der Pause gesteigert hatte, und die eingewechselten Gattuso, Cassano und Fiore um einiges mehr zum Spiel nach vorne beitrugen, als die behäbig und irgendwie unkonzentriert auftretenden Stars del Piero, Camoranesi und Zanetti. Nach diesen Wechseln empfand Trapattoni sein Team als „gleichrangig“.

Den Eindruck der Beobachter sollten Trapattonis Bewertungen nicht trüben. Die neben Titelverteidiger Frankreich zum Favoriten hochgewetteten Profis aus Mailand, Rom und Turin haben bei ihrer Turnierpremiere keine Duftmarke gesetzt. Es hängt keine Angst mehr über Portugals Fußballplätzen, wenn dort Totti und Kollegen spielen; allenfalls Respekt vor den großen Namen.

Mit Daumen und Zeigefinger hat der dänische Keeper Thomas Sörensen, dessen glänzende Reflexe drei, viermal gefragt waren bei den Torchancen durch del Piero, Totti und Vieri, angezeigt, wie wenig an der Sensation gefehlt hat. Ein einziges Tor „gegen eine Mannschaft, die auf dem Papier zu den weltbesten Teams gehört“. Ein bisschen überlegter, ein Wimpernschlag mehr Ruhe, den Ball ein paar Zentimeter genauer Gespielt, und nach Otto Rehhagel und dessen Griechen wären die Stürmer Jon Dahl Tomasson oder Dennis Rommedahl heute die nächsten Heroen der Europameisterschaft.

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