Sport : Willkommen in der Sackgasse

Der neue Leistungssportdirektor Schwank stellt das Fördersystem in Frage

Friedhard Teuffel

Berlin - Erst seit gut zwei Wochen ist Bernhard Schwank Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Am Mittwoch sollte er dem Sportausschuss des Bundestages einen kurzen Einblick in die Nachwuchsförderung geben. Doch aus der Unterrichtung wurde eine Grundsatzkritik. Mit unaufgeregter Stimme teilte Schwank den Abgeordneten mit: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob eine grundlegende inhaltliche Neugestaltung notwendig ist.“ Die Antwort hatte er damit längst gegeben.

Nach Schwanks Einschätzung bewegt sich der deutsche Sport langsam auf das Ende einer Sackgasse zu, deutsche Athleten gewinnen bei Olympischen Sommerspielen immer weniger Medaillen, und eine Wende zeichnet sich nicht ab. „Das System begünstigt den Erfolg in jungen Jahren, aber nicht den langfristigen Erfolg“, sagte Schwank. Deutschland ist also Nachwuchsweltmeister. Bei den Erwachsenen können dann immer weniger deutsche Athleten mithalten. „Diese Schere scheint sich noch weiter zu öffnen“, sagte Schwank.

Der Fehler im System sieht offenbar so aus: Die Arbeit von Nachwuchstrainern werde nur an den Erfolgen ihrer jungen Sportler bemessen, eine langfristige Orientierung spiele keine Rolle. Leichtathletik-Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl, die gemeinsam mit Schwank im Bundestag auftrat, sagte: „Wer zu früh mit Nachwuchstiteln gesättigt ist, dem kommt irgendwann der Hunger abhanden.“ Der Hunger auf Olympische Spiele etwa.

Schwank, früher Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees, nahm den Abgeordneten mit seiner Analyse auch den Glauben an bisher hoffnungsbeladene Erfolgsmittel wie die Eliteschulen des Sports. Sie sollten nach dem Vorbild der Kinder- und Jugendsportschulen der DDR die ideale Verbindung von schulischer und sportlicher Ausbildung garantieren. Schwank sagte nun, dass von den Olympiateilnehmern diejenigen aus den normalen Schulen genauso erfolgreich seien wie die aus Eliteschulen. Bei den Medaillengewinnern falle zudem auf, dass sie – wenn überhaupt – dann erst später in eine Eliteschule des Sports gehen.

Daraus folgt unter anderem: Frühzeitige Spezialisierung begünstigt die Karriere nicht unbedingt, sie kann sie sogar behindern, wenn schon Kinder zu sportlichen Fachidioten werden. In Zukunft wird wohl wieder eine vielseitigere Ausbildung gefragt sein. „Das ist die Basis für den Erfolg“, sagte Schwank, „eine frühe Spezialisierung wie durch eine Pampers-Liga im Fußball lehne ich grundweg ab.“ In der so genannten Pampers-Liga spielen schon Vierjährige.

Wie diese Erkenntnisse umgesetzt werden, das wollte Schwank im Bundestag noch nicht sagen. Auf jeden Fall würden sich die neuen Gremien des DOSB damit beschäftigen. Der CDU-Abgeordnete und für den Leistungssport zuständige Vizepräsident des DOSB, Eberhard Gienger, schien am Mittwoch von Schwanks Ausführungen nichts Überraschendes erwartet zu haben. Er hatte vorher den Saal verlassen. Klaus Riegert, sportpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, entschuldigte Gienger mit den Worten: „Er macht gerade selber Sport.“

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