Willmanns Kolumne : Als Unioner und Herthaner noch Freunde waren

Morgen ist der Tag der Tage: Das Derby zwischen Hertha und Union. Vier Union-Fans erzählen wie es war, als die Mauer noch stand und Herthaner und Unioner trotzdem eins waren. Eine Zeitreise in Text und Bild.

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Union-Fan "Mampe" weiß noch genau, wie es damals war, als Herthaner und Unioner Freunde wurden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Bürste
10.02.2013 11:57Union-Fan "Mampe" weiß noch genau, wie es damals war, als Herthaner und Unioner Freunde wurden.

Szenen einer Ehe: Union- und Hertha-Fans verband eine enge Freundschaft, als es noch zwei deutsche Staaten gab. Bis 1989 waren die Fans Freunde hinter Stacheldraht. Hertha-Fans kamen an die Alte Försterei zu Besuch, Union-Fans fuhren mit Hertha ins osteuropäische Ausland. Das war gar keine leichte Sache. Die Staatssicherheit hatte für diese innerdeutschen Liebesbeweise kein Verständnis. Klassenfeind war Klassenfeind! Und konnte sich auch hinter einer Fankluft verstecken.

Inzwischen sind Union und Hertha Stadtrivalen in den Tiefen der Zweiten Bundesliga, und von Freundschaft ist keine Rede mehr. Das Berliner Derby am 11. Februar elektrisiert die Massen. Es geht um die alles entscheidende Frage, ob die Stadt blau-weiß oder rot-weiß trägt.

Vier Union-Fans erzählen, wie das damals war, als getrennt durch die Berliner Mauer Herthaner und Unioner noch eins waren. Die folgenden Zitate stammen aus dem Buch Stadionpartisanen nachgeladen, erschienen vergangene Woche.

Mampe: 1977 sind bei Union das erste Mal größere Mengen Hertha-Fans aufgetaucht. Die Herthaner sind von allein gekommen. Ein besonderes Datum war der 13. August 1977. Union spielte 2:1 in Magdeburg. Dort waren ungefähr 100 Hertha-Fans mit. Wir haben den bekanntesten Herthafrosch Pepe Mager beschimpft, weil er negativ über Union berichtete. Er hatte im Westfernsehen behauptet, dass die Unioner auch nur auf Randale aus waren. Das fanden die Unioner nicht so gut. Die Herthaner hatten eine riesige blau-weiße Hertha-Fahne  mit dem „H“ drin mit. Aber das ist nicht weiter aufgefallen, weil Magdeburg auch blau-weiß war. Die Bullen sind nicht gegen die Herthaner eingeschritten. Da waren zwei-, dreitausend Unioner mitgewesen, da hätten die Bullen den Kürzeren gezogen. Das waren nicht nur Herthaner aus dem Westen, es gab auch diesen Spinner von Tennis Borussia, den haben wir gnadenlos ausgepfiffen An der Alten Försterei. Der hatte eine TB-Fahne mit, dadurch ist er erkannt worden.

Als Herthaner und Unioner Freunde waren
Union-Fan "Mampe" weiß noch genau, wie es damals war, als Herthaner und Unioner Freunde wurden.Weitere Bilder anzeigen
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10.02.2013 11:57Union-Fan "Mampe" weiß noch genau, wie es damals war, als Herthaner und Unioner Freunde wurden.

Brille: Das war für uns der Beginn der Freundschaft mit Hertha mit bestimmten Leuten von Hertha, dem HFC, dem Hertha-Fanclub. Das erste große Erlebnis mit den Hertha-Fans, weil die uns Karten für ganz wenig Geld verkooft haben, war das Freundschaftsspiel der Hertha in Dresden am 26. April 1978. Das war zur Prüfungszeit, und wir hatten den Mittwoch frei als das Spiel war. Mein Kumpel und ich sind nach Dresden gefahren. Hertha hat leider 0:1 verloren. War trotzdem alles schick. Auf der Rückfahrt sind irgendwelche dubiosen Leute durch den Zug gelaufen, Ausweiskontrolle. Da wurden alle aufgeschrieben, die in dem Zug drin waren. Am Sonnabend, drei Tage später, ich war bei der Physikprüfung, klingelte es bei meinen Eltern. Einer von der Staatssicherheit stand vor der Tür, ich hätte da einen Termin. Er hat eine Karte vorgelegt, ich sollte zur „Klärung eines Sachverhaltes“, wie es damals so schön hieß,  um 10 Uhr in der Wendenschloßstraße sein. Da hat mein Vater gesagt, dass das nicht geht, ich wäre in der Prüfung. Da sagte der: egal, den holen wir da raus. Mein Vater ist fast aus den Latschen gekippt. Ich kam relativ zeitig von der Prüfung und bin dann gleich zur Stasi. Und alle, die in Dresden waren, haben sich da getroffen, gesessen und gewartet. Dann wurden wir nach und nach zum Verhör hereingebeten. Warum wir zur Hertha gefahren sind. Ich habe geantwortet, ich wäre auch zum Liverpool FC gefahren, wenn die da gespielt und ich Karten gehabt hätte.

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