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Willmanns Kolumne : Blutige Tränen zum Fest der Liebe

19.12.2012 15:19 Uhrvon
Wenn alte Männer treten. Bild von einem Hallenturnier für Traditionsmannschaften in Berlin, hier gibt Ex-Herthaner Carsten Ramelow für Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Köln gerade alles.Bild vergrößern
Wenn alte Männer treten. Bild von einem Hallenturnier für Traditionsmannschaften in Berlin, hier gibt Ex-Herthaner Carsten Ramelow für Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Köln gerade... - Foto: dpa

Der Stimmungsboykott der aufmüpfigen Fans in der Bundesliga ist wenig kreativ und erfolgsträchtig, meint unser Kolumnist Frank Willmann. Die einzig ernsthafte Lösung liegt in den unteren Ligen. Oder im Hallenfußball in Berlin-Weißensee.

Politik, DFL und DFB haben dem Freudenhaus Bundesliga ein behagliches Bettchen zum vorweihnachtlichen Dornröschenschlaf  bereitet. Das „sichere Stadionerlebnis“ ist beschlossene Sache, die Konsequenzen sind noch nicht absehbar. Da wir uns in einer Demokratie befinden, sind unser Grund – und Menschenrechte nicht so einfach auszuhebeln. Darum mache ich mir wenig Gedanken über eine rigidere Gangart der Sicherheitskräfte. Es sind nicht nur die Innenminister, die ihre Flöte zu spielen wissen.

Wenn eine Mehrheit der Stadionbesucher Pyrotechnik ablehnt, egal ob organisiert oder nicht, ist das ein Argument. Am Wochenende wurde in einigen Stadien „Ultras raus“ skandiert.

  Die Rufe kamen von normalen Stadiongängern, die sich nicht als Elite begreifen, sondern als spaßbereite Konsumenten agieren. Ihre Motivation: Sie wollen für ihr gutes Geld guten Fußball sehen. Ob der momentane Präsident ihres Clubs ein Scheich ist, oder sein Geld mit dem Töten und Ausweiden von Tieren verdient, ist ihnen egal. Hauptsache er und seine Crew halten den Club am Leben, lassen ihn gedeihen, führen ihn zu höchsten Weihen. Europacup ist das geringste Ziel. Ist der Club endlich im Europacup und schwächelt in der Bundesliga, verliert der Europacup plötzlich an Wichtigkeit, da es um die Bundesliga geht. Fußball ist unlogisch, aber geil.

So denkt die Mehrheit der Fans und lässt sich gern vom jeweiligem Präsidium, der DFL, den Medien und dem DFB mit den entsprechenden Zutaten bedienen. Fußball ist Unterhaltung. Es geht dabei nicht um die Zerstörung der Ozonschicht. Oder Soldaten der Bundeswehr, die ihr Leben lassen bei der Verteidigung "unserer" Interessen in Afghanistan. Wir benutzen den Fußball nicht, um die Welt gerechter zu machen, ganz im Gegenteil.

Etliche Fußballfans geben ihr Hirn am Eingang ab und nähern sich gewissen Verwandten im Tierreich an. Wenn sie beispielsweise ihr unsägliches "Sieg!" anlässlich der Spiele von Jogis Buben ertönen lassen, denen viele liebend gern ein "Heil!" folgen lassen würden. Solidarität untereinander ist nicht besonders ausgeprägt. Wer kennt nicht die Aufforderung "Auf die Schnauze!", bei Einsätzen von Sicherheitskräften gegen gegnerische Fans. Ob sich das auf den Kampf gegen die Sicherheitskräfte beziehungsweise gegen die gegnerischen Fans bezieht, ist mir hierbei ziemlich egal.

Nun regte sich seit Wochen Unbill im deutschen Fußballland. Die Beschneidung der Fanrechte. Es ist das Vorrecht der Jugend, dagegen zu sein, Strukturen in Frage zu stellen, die Kommerzialisierung unseres liebsten Hobbys kritisch zu beäugen.

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