Willmanns Kolumne : Ein kleiner Fußballkrieg in Berlin

Unser Kolumnist Frank Willmann befürchtet nach zwei Demütigungen durch Unionfans, dass Anhänger des BFC Dynamo demnächst eine Reaktion zeigen werden.

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Nicht immer so friedlich. Zwischenfälle mit Union-Fans häufen sich. Foto: imago/Oliver Ruhnke
Nicht immer so friedlich. Zwischenfälle mit Union-Fans häufen sich.Foto: imago/Oliver Ruhnke

Ich dachte bis vor kurzem, die Nichtbeziehung zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Union Berlin hätte ihre Pubertät hinter sich. Leider signalisierten die Ereignisse der jüngst vergangenen Wochen: Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Fäusten haben. Erst die Spielunterbrechung nebst mächtig gewaltigem Drumherum beim Regionalligakick Union Zwee gegen den BFC Dynamo im Stadion An der Alten Försterei. Dann am letzten Freitag der Überfall von Unionern auf BFC-Fans während eines Spiels der Altherrenliga zwischen Union und dem BFC auf dem Kunstrasenplatz unweit der Alten Försterei. In Berlins Osten ist ein kleiner Fußballkrieg ausgebrochen.

Nachdem es lange Jahre ruhig um die Rivalität stand, scheint es nun auf Unionseite neue, bzw. fein aufgewärmte alte Gründe zu geben, einander mittels körperlicher Schmerzerteilung zu begegnen. Hadert da jemand mit seiner Bestimmung, oder dem Lebenszielen seines Clubs? Im Märchenwald der wilden Tiere sehe ich mich teilumzingelt von Idioten. Eine kleine Gruppe BFC-Fans hat mehrfach laut „Scheiß-Union“ gerufen. Was für eine schreckliche Beleidigung, ich würde langsam die Macheten auspacken. Für manchen Dackelzüchter ist das ein triftiger Grund, sich zurück in die Steinzeit zu beamen. Ach war das herrlich, ach war das gerecht, als das Männchen mit den dicksten Eiern die Herde leichtlebiger Neandertaler in Schach hielt. Anti-Union-Stimmung, o weia ist das schlimm.

Jedenfalls kam eine Gruppe ehrlich entrüsteter Unionfans aus der nahe gelegenen Abseitsfalle gewetzt, um den „Scheiß-Union“ grölenden Menschen ein bissel den Schädel einzuschlagen. Einfacher kann man sich die Welt nicht erklären. Bei einem hätten sie es fast geschafft, der Rest der BFC-affinen Zeitgenossen kam mit aparten Blessuren davon. Achtzig Unioner gegen zehn Gäste, ein aufrechter Kampf, auf den man stolz sein kann.

Anscheinend gelten beim Fußball andere Gesetze des humanen Miteinanders

Woher nahmen sich Rotweiße das Recht, Weinrotweiße anzufallen? Wieso ist das für diverse Fußballverhinderer eine nachvollziehbare Handlung? Anscheinend gelten beim Fußball für überdrehte Vereinsmeier andere Gesetze des humanen Miteinanders. Der Urtrieb des Männchens nach kriegerischer Beschäftigung, Hass, Hader, Brutalität juchhe! Theo Körner, Unions Alte-Herren-Teamleiter und einstiger FDJ-Funktionär (schön anzuschauen im  Film "Und freitags in die grüne Hölle"), hatte nicht den Mumm, die Vorfälle im Nachgang eindeutig zu verurteilen. Aus Kadavergehorsam? Falsch verstandener Vereinstreue? Stinknormaler Feigheit? Hier nochmal das Körnerzitat zu dem Überfall: „Eine solche Reaktion darauf ist ebenso unschön wie erwartbar. Sie ist aber auch eine Grenzüberschreitung.“

Unschön, aber erwartbar. Was für Worte! Und wie reagierte der „offizielle“ 1. FC Union Berlin darauf? Mit Abwiegeln. Und einer halbherzigen Entschuldigung. Plus den Verweis auf die Fußballfolklore. Warum haben sie auch „Scheiß-Union“ gebrüllt.

Geht’s noch. Was ist das denn? Wie reagiert Union, wenn Unioner von wem auch immer wegen Nichtigkeiten zusammen geschlagen werden? Da mag ich ja fast lauthals nach mehr Polizei kreischen, die allen Gästen künftig im Einzugsbereich Unions sicheres Geleit gewähret. So geht’s nicht, hier machen es sich die Unionverantwortlichen zu einfach. Das bestärkt die Gewaltfraktion in den eigenen Reihen und bietet den Schlägern in den Reihen des BFC Dynamo Argumente für Reaktionen. Denn die werden kommen. Zwei Demütigungen durch Unionfans binnen kurzen ließen die Glocken klingeln. Wer etwas anderes erwartet, ist naiv. Leiden werden wir alle darunter. Die wir Wochenende für Wochenende zum Fußball pilgern, um die Schönheit des Spiels im Kreis Gleichgesinnter zu feiern. Die wir Bock auf rasante Derbys haben. Um unsere Teams auf billigen Stehplätzen anzufeuern, uns in Rage zu brüllen und am Ende edel über uns und unser Tun scherzen zu können. Ich kenne viele Unioner und BFCer, die genau so positiv drauf sind.

Eine schöne Begründung für mehr Sicherheitsmaßnahmen der Polizei

Polizei und Politik hat man eine schöne Begründung für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen geliefert. Mal schauen, wann es den Stehplätzen An der Alten Försterei an den Kragen geht. Bei weiteren Vorfällen wird das Thema sein. Neben Sicherheitsauflagen, personalisierten Karten und dem ganzen Schnack, der schon den Menschen in England und Italien das Fußballgucken versaut hat. Geht das in die Hirne dieser Idiotien, egal ob sie Ultra, Hooligans oder stinknormalen Schwachköpfe heißen?  Am Ende der Tafel sitzen nicht die kampfeslustigen Tölpel.

Stadionverbote sind keine Lösung, da gebe ich Unions Pressesprecher Christian Arbeit recht. Aber Birne einhauen auch nicht. Funktionäre aufgewacht, Miteinander klarkommen heißt das Gebot der Stunde. Was nun? Ein runder Tisch. Beide Vereine, Fanklubs, Ultras, Polizei, Fanprojektler, dem Berliner Fußballverband, Fanforschern. Ich setz mich gern dazu. Glaube ich an einen Erfolg? Man kann’s ja mal versuchen.

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