Willmanns Kolumne : Geld her für die Zonenklubs!

Investoren, Diktatoren, Ungleichheit und Ausbeutung - ist unser Fußball noch zu retten? Möglicherweise ist die Demokratie im Fußball an einem Endpunkt angelangt.

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Freut sich gerne: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Freut sich gerne: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.Foto: imago

Auf unseren Lippen liegt Ergriffenheit. Herr Jansen wird vom Hamburger SV nicht weiter beschäftigt. Er geht in die sogenannte "freie Wirtschaft". Und kehrt dem verlogenem Fußball den Rücken. Ist uns ein neuer Messias geboren?

Die Triebkraft des modernen Fußballs ist das Geld. Jeder Klub, der Gelder akquiriert, entwickelt sich. Wer kein Geld bringt, stirbt. Oder ist längst tot. Wie die von 1989-90 durch die freien Wirtschaftsfreunden der Bundesliga ausgeplünderten Zonenklubs. Die Großklubs haben für die Jagd nach Neugeld effiziente Strategien entwickelt. Sie haben den Starkult perfektioniert. Die medialen Verwertungsgesellschaften gehen ihnen freudvoll zur Hand. Ohne das System zu hinterfragen. Berichterstatter und zwittrige Wesen wie Moderatoren begleiten die Show. Stars brauchen Gold, Glamour und heiße Bräute, das weiß doch jeder!

Nur die Mafia und Kim Jong-un sind nicht willkommen

Der deutsche Spitzenfußball erschreckt mich. Und begeistert mich. Und stimmt mich gleichzeitig mitleidig. Wie bei jeder guten Heuschreckenplage ist das Ende vorprogrammiert. Bayern München, Real Madrid, Chelsea sind nicht einfach reich. Sie sind phänomenal reich. Ihnen gehört alles unter und über der Erde. Sie wären auf der Stelle in der Lage, eine Million hungriger Flüchtlinge zu ernähren. Sie würden gemeinsam mit Til Schweiger Unterkünfte auf dem Land errichten können. Machen sie natürlich nicht, sie müssen leider Fußball spielen. Möglicherweise ist die Demokratie im Fußball an einem Endpunkt angelangt.

Die meisten Klubs in der Fußballbundesliga wünschen sich mehr Geld. Sie möchten den Kontakt zu den großen Geldmaschinen aus England nicht abreißen lassen. Obgleich die englischen Clubs im europäischen Maßstab hinter Spanien und der BRD humpeln, sind sie dank irrsinniger Fernsehgelder in der Lage, unwirkliche Gehälter zu bezahlen. So wundert es nicht, wenn die (freien) Wirtschaftsstrategen der Bundesliga liebend gern Investoren aller Art an Bord nehmen möchten. Mafia und Kim Jong-un vielleicht heute noch nicht. Aber gegen arabische Diktatoren spricht nichts. Haben Paris Saint-Germain und Manchester City vorgemacht. Und das sind doch eindeutig demokratische Produkte. Möglicherweise ist die Demokratie im Fußball an einem Endpunkt angelangt.

Kapital und Medien bestimmen unseren Fußball. Sie haben uns zu sinnentleerter Betriebsamkeit, vorgefertigten Perspektiven, Ausbeutung auswärtiger Ressourcen und Elend verdammt. Unser gedankenloser und mittelmäßiger DFB-Präsident Duckmaus Niersbach fühlt sich geschmeichelt. Ihm wurde der Chefposten der UEFA angetragen. Bestimmt nicht von mündigen Freunden des Fußballs. Niersbach sieht seinen Platz im Fußballherz des deutschen Michels. Er wird Fußballdeutschland nicht allein lassen. Zumindest so lange, wie ein Rest Unklarheit am Sieg des Korrumpels Michel Platini besteht.

Fußball - ein Sport für passive Naturen

Niersbach sieht sich als Knecht der Bundesliga. Das wird dort durchaus positiv verstanden. Ist auch so gemeint von ihm. Die gescheite Hand beißt nicht jene, die sie füttert. Was aber, wenn Platini gewinnt und Niersbach ein Ruf wie Donnerhall erreicht. Wenn es dann um nichts weniger als um die Rettung des europäischen Fußballs geht? Vor wem muss der europäische Fußball eigentlich gerettet werden? Vor den Fans? Oder der (freien) Wirtschaft? Vor Leuten wie Blatter, seinem Ziehsohn Platini und dem einstigen Blatter-Unterstützer Niersbach? Die Fußballfunktionäre dieser Welt sind erst von Blatter gewichen, als ihnen blitzartig die (freie) Wirtschaftsmacht USA auf die eifrigen Funktionärsfinger trat. Ist das die pietätvolle Verantwortung von VISA und Coca Cola, auf die wir so sehnsüchtig gewartet haben? Möglicherweise ist die Demokratie im Fußball an einem Endpunkt angelangt.

Die Bundesliga. Angeblich soll sie nächste Woche starten. Ödes Bayern. Verzogenes Guardiolablabla. Echte Spannung. Wahre Leidenschaft? Findet man vielleicht in Liga 3. Acht Zonenklubs rennen sich in diesen Luftschichten die Waden dick. Mickriger Fußball, ja. Schlechte Spieler, ja. Aber heißblütige Fans! In Würzburg boxten Dresdner einigen Polizisten die Lippen dick. In Bremen zeigten Cottbusser, was sie vom Islam halten. Unlängst forderte ich euch auf, eure Hirne einzuschalten. Das war natürlich nicht so gemeint. Einige haben es ernst genommen - und falsch verstanden. Bin ich nun ein journalistischer Brandstifter, war ich da zu nazimäßig?

Fußball ist ein Sport für passive Naturen. Fans sind auch festlich gekleidete Menschen. Ehrlich, laut, talentiert, arbeitsam. Im strengen Ton geht es unter ihnen fast demokratisch zu. Natürlich reden sie nicht über abstrakte Themen und interessieren sich nicht für Dinge, die sie nicht verstehen. Ich will nicht behaupten, dass dieser Mangel an Neugier und geistigen Angelegenheiten ein Makel ist. Wahrscheinlich kommt man dickfellig einfach besser durchs Leben.

Schlaflose Nächte

Yin und Yang. Ost und Westfußball. Auf einem Baum wuchsen zwei Äpfel. Während der eine in der Sonne rote Bäckchen bekam, wurde der zweite von einem Wurm gefressen. Geld her für die Zonenklubs? Sie trotzen bösen Mächten, fieser Widersacher Plage! Wie kann die Qualität des Zonenfußballs verbessert und der Fußballosten gerettet werden? Ich habe vier schlaflose Nächte verbracht. Und habe noch immer keine Idee. Was wäre, wenn Bayern, Wolfsburg und Leverkusen ihren Reichtum teilen würden? Das ist eine Unterstellung, die in einer ziemlich weit im Osten liegenden, psychiatrischen Einrichtung entstanden sein muss. Vielleicht in Görlitz. Oder in Frankfurt/Oder. In einer Zelle für die stillen, aber fügsamen und hoffnungslosen Fälle.

Die Sonne lacht über uns Fußballfreunde. Und wir Fußballfreunde lachen über die Sonne. Zum Schluss lacht aber stets die Sonne.

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