Willmanns Kolumne : Wie Phönix aus dem Winterdreck

Der Winter ist vorbei. Und allerorts treten die Menschen wieder gegen den Ball. Grund genug für unseren Autor, bei einem Bier vom nächsten Heimsieg zu träumen und all die vergessenen Wohnzimmermolche zu verfluchen.

von
Nein, das ist nicht Frank Willmann! Aber womöglich gibt es dieses Motiv (englischer Fußballfan, WM 2006) auch von unserem Autor.
Nein, das ist nicht Frank Willmann! Aber womöglich gibt es dieses Motiv (englischer Fußballfan, WM 2006) auch von unserem Autor.Foto: dpa

Liebe Winterfreunde, der warme Bruder Frühling ist endlich in Berlin eingetroffen. Unser Glück hat sich diesmal beim reinschleichen in die gute Stube ganz schön Zeit gelassen. Obgleich der Leichenacker hinter unserem Haus noch immer in einigen finsteren Ecken weiß trägt, ist die Gewaltherrschaft des Winters zu Ende. Somit kann unser Lieblingsspielgerät auch jenseits der Bundesliga wieder befreit rollen und fliegen. Allerorts treten im schönen Berlin glückliche Menschen gegen den Ball. Es ist mir höchste Freude und heimliche Lust, in den entspannten Gesichtern der Ballsportler abermals die Leidenschaft brodeln zu sehen. Wir sind wieder auf den Fußballplätzen dieser Welt der körperlichen Ertüchtigung, bewegen uns auf sie zu, träumen mit einer Flasche Bier in der Hand vom nächsten Heimsieg und lassen all die wunderbaren historischen Triumphe und Canossagänge an unserem inneren Auge vorbeiziehen. Unser Blick ist heiter und hell, für uns kann es nichts Schöneres geben, als im Chor unser glückliches Fandasein gemeinsam zu besingen.

Nebenher scheint es mir angebracht, die Frage nach dem Sinn der Sommerpause zu stellen. Warum lassen wir im Sommer das Spielgerät viele Wochen ruhen, um im Winter unsere Herzen mit Spielausfällen zum Bluten zu bringen? Warum verlängern wir nicht abwärts der Regionalliga die Winterpause und verkürzen die Sommerpause? Zumal die alte Mär von der ferienbedingten Abwesenheit der Fans Mumpitz ist. Ein richtiger Fan kennt keine ferienbedingte Abwesenheit vom Fußball. Er ist immer anwesend. Egal wie der Ferienmob um ihn tobt, die Familie nach dem Sommerurlaub schreit. Er hängt seinen Schal in den Wind, Basta! Die Familie kann auch mal allein wegfahren. Ist für alle wahrscheinlich besser so!

Ab Liga vier tut das Einschalten der Rasenheizung richtig in der Geldkatze unserer meist von Ehrenämtlern und Halbamateuren geführten Vereinen weh. Ich bin mir nicht sicher, ob es unter uns weitsichtige Fußball-Funktionäre gibt, die Kraft ihres Amtes die Vision künftiger Winter in sich tragen.  Die möglicherweise noch brutaler mit uns umgehen, als es dieser Schreckenswinter tat. Wir können uns auf den Klimawandel nicht verlassen. ER kommt für uns zu spät. Prophetisch gesprochen: 1 plus 1 = 2. Bildet Denkfabriken! Formt Beschlussvorlagen! Drückt sie euren Funktionären und DFB-Greisen in die Hand.

Eine weitere Lösung wäre die Einführung des Kommunismus. Wenn das Geld abgeschafft ist, muss man keine Stromkosten für den Betrieb der Rasenheizung berappen. Das Legionärswesen im Fußball wäre passé, die Rekordmeisterei von Bayern Geschichte. Aber ich glaube Superviech Merkel, das quietsch-gelbe Guidomobil und Black Rider Seahoover sind noch nicht so weit.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben