Willmanns Kolumne : Wir stehen immer am Rand

Jedes Wochenende das gleiche Bild. Eine Auto-Karawane schlängelt sich frühmorgendlich durch das verschlafene Berlin. An Bord: Die Zukunft des deutschen Fußballs - und besorgte Mütter und Väter.

von
Die Spannung steigt, denn gleich beginnt das Spiel der lieben Kleinen. Foto: Frank Willmann
Die Spannung steigt, denn gleich beginnt das Spiel der lieben Kleinen.Foto: Frank Willmann

Samstagmorgen. Während die Anderen schlafen, läuft in einer Wohnung des Hauses schon Videotext. Es ist unsere Wohnung. Ich bin wach. 7 Uhr 30. In zwanzig Minuten muss ich mit meinem Sohn am Sammelpunkt seiner Mannschaft sein. Auswärtsspiel in Wilhelmsruh. Ich kutschiere neben meinem Sohn drei weitere Jungs zum Auswärtsspiel. Typisches Elternschicksal. Wir kennen alle Fußballplätze Berlins. Und werden von den Maulwürfen persönlich mit der Flosse begrüßt. Wir waren schon in jedem Klubheim zu Gast, wir erfassen die Qualität des Kaffees beim ersten Augenkontakt  und erschnüffeln am Bockwurstgeruch, ob die Vereinswirtin zu emotionslos mit unserem Hauptnahrungsmittel umgegangen ist. Wir Eltern von Fußball spielenden Kindern.

Trainiert wird die Jugend von Frank. Einem Urgestein der Trainerzunft, der mit Freundlichkeit und Verständnis wirbt. Ist auch nötig, denn Berolina spielt in der Landesliga gegen den Abstieg, eigentlich eine Liga zu hoch für die Jungs. 7 Uhr 48. Die ersten Eltern treffen ein, mit verschleierten Augen, die Spuren nächtlicher Schlachten sind ihnen ins Antlitz gestanzt. Dann alle ab in die Autos und durchs menschenleere Berlin. Immer schön in Schlachtformation.

Anmutsvoll ist in Wilhelmsruh um uns herum das Geplärr der Vögel zu hören. Umso weiter man nach JWD kommt, umso schöner werden die Fußballplätze. Die Randberliner Vereine brillieren mit preußischem Rasen und Laubenpiepercharme. Wir stellen unsere Autos in eine Reihe und stecken die Hände in die Taschen. Wir tun vor unseren Kinder so, als würde uns das alles überhaupt nicht interessieren. Etwas entfernt stehen die Angehörigen des gastgebenden Vereins. Feindselige Blicke. Unsere Jungs wollen ihnen den Samstag versauen. Ihre Jungs vernichten.

Mit einem exquisiten Rasenplatz kann unser Verein, Blau-Weiß Berolina Mitte Berlin, nicht aufwarten. Unsere Kinder spielen auf Kunstrasen, der schon bessere Tage gesehen hat. Doch immerhin: von der Mittellinie unseres Platzes betrachtet, vergoldet uns ein herrlicher Blick auf den Berliner Telespargel die Augäpfel.

Das Letzte, was einem Fußball beobachtenden Elternteil blüht, ist Entspannung. Am Platz rumstehen ist harte Arbeit und wird von den lieben Kleinen selten belohnt. Ist der kleine Ballfreund bei den Minis aktiv, freut sich der Hosenmatz über Beifall klatschende Mamas die im Chor infantile Fußballsprüche zwitschern. Das ändert sich schnell.

5 Kommentare

Neuester Kommentar