Willmanns Kolumne : Worte, wo man nicht erklären kann

Es gibt blöde und richtig blöde Fußballersprüche. Und für manche gibt es sogar einen Preis, wie Frank Willmann in seiner neuen Kolumne zu berichten weiß. Jetzt wurden die Sieger der Saison 2011/2012 ermittelt.

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"Ich wusste, dass Roman den Elfmeter halten wird", erklärte der Dortmunder Kevin Großkreutz nach dem Spitzenspiel gegen Bayern im April 2012. Nachfrage des Reporters: "Warum?" Die Antwort von Großkreutz: "Weil ich das im Adrenalin hatte!"Weitere Bilder anzeigen
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31.10.2012 14:34"Ich wusste, dass Roman den Elfmeter halten wird", erklärte der Dortmunder Kevin Großkreutz nach dem Spitzenspiel gegen Bayern im...

Jedes Jahr aufs Neue kürt die Deutsche Akademie für Fußballkultur den Fußballspruch des Jahres. Diesmal gewann Mehmet Scholl die Krone fußballerischer Spruchweisheit. Am 19. Oktober 2012 überzeugte seine vielschichtige Bemerkung: "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund liegt und mal gewendet werden muss". 

Sie bezog sich auf Haareschön Gomez und sein von Experten Scholl als weinerlich empfundenes Betragen anlässlich der Fußball-Europameisterschaft. Er sprach vielen Bundestrainern (vor dem Fernseher) seinerzeit aus dem Herzen. Herrn Scholls Herz war beim Aufsagen des Spruchs keineswegs eine Mördergrube, obwohl sich Herr Gomez inmitten einer solchen wähnte, als ihm Herrn Scholls Expertenmeinung zu Ohren kam. Scholl hauchte die Worte, er freute sich ein bissel über das Gesagte. Noch mehr freute sich der Fernsehsender, da ihm nach Scholls Spruch Deutschland gewiss war. Scholl verdrängte den ganzen vertrackten Politikmurks für zwei Tage aus den Schlagzeilen. Was uns bewegt, sind unsere Füße.

Bevor ich nun die Frage umkreise, warum wir Deutschen uns so gern mit der dürftigen Sprach- und sonstigen Kultur unserer Balltreter plagen, möchte ich noch kurz auf das Ereignis der Inthronisierung des Herrn Scholl als neuen  FLK (FußballLaberKönig) eingehen. 294 Weisheiten standen einer Vorabjury zur Auswahl, die daraus zehn Favoriten küren sollte. Aus diesen zehn Favoriten bestimmte letztlich das Publikum der Fußballgala in Nürnberg live den Sieger. Unter den 294 Weisheiten befanden sich Perlen wie: „Ich sage es mal mit einem Spruch aus der Kreisliga A: Am Ende ist der Pimmel dick!“ Lewis Holtby, nachdem Schalke einen 0:2-Pausenrückstand in Mainz noch in ein 4:2 gedreht hatte.

Oder: „Geld ist nicht das Wichtigste für mich, es geht um Fußball.“ Samuel Eto'o, nach seiner Ankunft beim russischen Erstligisten Anschi Machatschkala, bei dem er geschätzte 20 Millionen Euro im Jahr verdient. Oder um mit Ballsack Ballack auf die Frage einer möglichen Versöhnung mit dem DFB und Bundestrainer Löw zu parieren: „Sicherlich wird man zeitnah, in ein paar Wochen, ein paar Monaten oder gar nicht reden“.

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