Willmanns Kolumne : Zu Besuch bei Herthas Resterampe

Reservemannschaften von Profiteams sind so überflüssig wie die FDP. Sie ziehen keine Sympathisanten und bringen durch komische Personalentscheidungen den Wettbewerb durcheinander. Herthas Zweite bildet da keine Ausnahme - wie das Spiel gegen Regionalliga-Spitzenreiter Halle zeigte.

Frank Willmann
Der Spitzenreiter aus Halle (in Rot und Weiß) siegt locker und leicht bei Hertha II.
Der Spitzenreiter aus Halle (in Rot und Weiß) siegt locker und leicht bei Hertha II.Foto: Bransch

Unser aller Berlin hat neben der maliziösen Tante Hertha mit der Lizenz zum Gebrechen noch ein zweites Herthateam im Rennen. Die Schäfchen der so genannten U23. Unbemerkt von der Öffentlichkeit kicken sie in der Regionalliga Nord vor sich hin. Meist gut versteckt auf einem Nebenplatz des Olympiastadions. Kommt allerdings ein Team mit Fanpotenzial von mehr als 99 Erdenbürgern vorbeigeschneit, weichen die U23er in den Jahnsportpark aus.

Am Samstag kam der unaufgeregte Spitzenreiter aus Halle zu Besuch. Der Hallesche FC ist die Überraschungsmannschaft der Liga. Wenn alles in der Regionalliga nach Plan gegangen wäre, hieße der souveräne Spitzenreiter RB Leipzig. Doch der sächsische Ableger des Red-Bull-Konzerns beweint den Erfolg der Hallenser gegenwärtig vom zweiten Platz. Und das ist gut so, meint die Mehrzahl der deutschen Fußballfans und drückt Halle die Daumen. Am letzten Spieltag kommt es in Halle zum Showdown der Ideologien. Ein Spiel mit Legendenpotenzial. Sollte Halle, nach Chemnitz im letzten Jahr, den Stier auf die Hörner nehmen und abermals in den Staub drücken? Schießt Geld doch keine Tore? Zählen am Ende Leidenschaft, Mannschaftsgeist und enge regionale Verbundenheit? Es wäre ein schöner Liebesroman, würde Halle im kommenden Jahr in der dritten Liga kicken.

Seit über zwanzig Jahren bewegt sich der Hallesche Fußball im profifreien Raum. Der Gerüchteküche nach sollen sie irgendwann Anfang der 90er mal in der Zweiten Liga gekickt haben. Angeblich war der Klub zu Zonenzeiten eine Erstliga-Mannschaft im Tabellenmittelfeld. Lang ist es her, die letzten Jahrzehnte schritt der HFC durch ein Tränental. Es gab sogar Zeiten, wo ein Hallenser Emporkömmling, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, dem HFC die Show stahl. Den Fans blieben fußballerisch triviale Dauerderbys gegen den ebenfalls gefallenen Engel 1. FC Magdeburg. Dort drängelte sich dann einmal im Jahr der bitterböse Mob, um neben dem Platz für Schlagzeilen zu sorgen.

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