Sport : Wimbledon: Anke Huber prescht in 50 Minuten ins Achtelfinale

Anke Huber steht zum vierten Mal in ihrer Karriere im Achtelfinale des Tennisturniers von Wimbledon. In der dritten Runde gewann die Karlsdorferin gegen die Slowenin Tina Pisnik mit 6:2, 6:3. In der Runde der letzten 16 trifft sie nun auf die topgesetzte Schweizerin Martina Hingis oder die Kroatin Silvija Talaja. Huber wirkte gegen ihre 19 Jahre junge Gegnerin sehr konzentriert und war nie in Gefahr, das Match auf dem Nebenplatz 18 zu verlieren. Vor den Augen von Bundestrainer Markus Schur machte die letzte von fünf gestarteten deutschen Damen immer wieder direkte Punkte mit ihrer beidhändig geschlagenenen Rückhand.

Die 25-jährige Anke Huber, die nach dem Turnier wieder in den Top Ten der Weltrangliste auftauchen wird, nahm ihrer in den Rankings an Position 67 notierten Gegnerin im zweiten Durchgang den Aufschlag zum 5:3 ab und beendete das weitgehend einseitige Match nach 50 Minuten gleich mit dem ersten Matchball.

Drei Tage nach der Wimbledon-Niederlage im Prestigeduell gegen Thomas Haas haben sich die Wege von Nicolas Kiefer und seinem Trainer Bob Brett völlig überraschend getrennt. Deutschlands - der Weltrangliste nach - bester Tennisspieler und der Australier hatten seit dem 1. Februar 1998 zusammengearbeitet. Unter Brett kletterte Nicolas Kiefer Ende letzten Jahres bis auf Platz sechs der Weltrangliste und stand bei der ATP-Weltmeisterschaft im November im Halbfinale. Er war nach Boris Becker und Michael Stich der dritte Deutsche, der eine Saison in den Top Ten beendete.

Die Entscheidung über die künftig getrennten Wege fiel am Donnerstag spontan noch in Wimbledon und ist offenbar durch die schmerzliche Niederlage gegen Haas forciert worden. Bob Brett, Kiefer, dessen Eltern sowie Manager Patricio Apey waren zu dem Zeitpunkt trotz des frühen Ausscheidens des 22-Jährigen noch in Wimbledon, und auch Bob Brett spazierte noch über die Anlage.

Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb war von der Entwicklung völlig überrascht: "Das erstaunt mich sehr. Ich hatte keine Ahnung, dass sich so etwas andeutete. Ich habe vorher noch mit Nicolas gesprochen, und er hat nichts erzählt. Mit Bob hat er immerhin das beste Jahr seiner Karriere erlebt."

Als neuer Trainer ist der Niederländer Sven Groeneveld im Gespräch, der seit Juli 1998 mit Greg Rusedski zusammenarbeitet. Das Verhältnis ist allerdings seit der Erstrunden-Pleite des Briten in Wimbledon sehr angespannt. Eine Entscheidung soll am Montag fallen. Brett ist mittlerweile unter anderem von dem Russen Marat Safin angesprochen worden, der sich von seinem Coach Andrej Tschesnokow nach knapp drei Monaten wieder getrennt hat.

Die Hintergründe für die plötzliche Trennung zwischen Kiefer und Brett blieben zunächst ebenso undurchsichtig wie das trübe britische Nieselwetter, das gestern über die Anlage an der Church Road waberte. Offensichtlich ging die Initiative von dem australischen Erfolgstrainer aus, der von seinen Schützlingen stets hundertprozentigen Einsatz und Konzentration auf den Sport verlangt. "Ein Champion wird geboren, nicht gemacht. Entscheidend ist der Wille, alles zu geben", lautet das Credo des Australiers: "Wer sich mit 90 Prozent begnügt, vergisst, dass 100 Prozent möglich sind."

Das Jahr 2000 war nicht zuletzt wegen Kiefers Verletzungspech von etlichen Misserfolgen geprägt. Bereits im Februar zog er sich eine Blessur am Sprunggelenk zu, im März in Miami erlitt er einen Syndesmose-Anriss im linken Bein, der ihn zu einer zweimonatigen Pause zwang. Sechsmal verlor Kiefer sein Auftaktmatch, die Masters-Turniere in Monte Carlo, Rom und Hamburg musste er ausfallen lassen. Im Champions Race der ATP ist Kiefer mittlerweile auf Position 20 zurückgefallen.

Mit Fleiß und Arbeit hatte Nicolas Kiefer in seinem besten Jahr 1999 den Sprung in die Weltspitze geschafft. Er gewann die Turniere in Tokio, Halle (Westfalen) und Taschkent. Zudem stand er in Dubai und Wien im Endspiel. Den Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka verpflichtete er als prominenten Fitnesstrainer. Getrübt war der Erfolg allerdings durch die Auseinandersetzung mit dem Deutschen Tennis Bund und Kiefers Boykott für den Daviscup-Wettbewerb. "Ich habe jederzeit unterstützt, dass er spielt, der Daviscup ist eine großartige Bühne, um Großes zu leisten", sagte Bob Brett. Für das Jahr 2001 hat Nicolas Kiefer seine Rückkehr ins Daviscup-Team "ohne Wenn und Aber" angekündigt.

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