Wimbledon Championships : Roger Federer steht vor seinem nächsten Rekord

Viele rieten ihm schon zum Karriereende – doch nun steht Roger Federer im Wimbledon-Finale. Sollte Federer seinen achten goldenen Challenge Cup gewinnen, dann wäre er nicht nur der einzige Spieler, der so oft im All England Club triumphierte.

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Ein spannendes Finale: Novak Djokovic und Roger Federer (Bild) stehen sich im Endspiel gegenüber.
Ein spannendes Finale: Novak Djokovic und Roger Federer (Bild) stehen sich im Endspiel gegenüber.Foto: Reuters

Roger Federer schaute einen Moment lang irritiert. „Ist das denn wirklich möglich?“, fragte der Schweizer zurück, als läge es für ihn bar jeglicher Realität. Doch die Fakten stimmen: Sollte Federer heute in seinem neunten Wimbledonfinale seinen achten, goldenen Challenge Cup gewinnen, dann wäre er nicht nur der einzige Spieler, der so oft im All England Club triumphierte – Federer wäre mit 32 Jahren und 332 Tagen auch der älteste Wimbledonchampion der Open-Ära. „Wirklich? Ich kann kaum glauben, wie alt ich bin. Ich fühle mich erst wie 24“, meinte Federer und lachte.

Doch in diesen Tagen machte der Ausnahme-Athlet tatsächlich vergessen, dass es bereits seine 16. Teilnahme in Wimbledon ist und Federer zudem sein 59. Grand-Slam-Turnier in Folge spielt, bei dem er heute nun zum 25. Mal im Finale steht. Gewinnt er die Partie gegen den Serben Novak Djokovic, dann könnte der Schweizer seine eigene Bestmarke auf 18 Major-Titel hochschrauben.

Kein Wunder, dass Federer bei all den Rekorden mitunter den Überblick verliert. „Also der Rekord mit dem Alter ist mir nicht so wichtig“, meinte Federer und grinste. Doch auch nach 16 Jahren auf der Profitour ist er das Siegen und Titelsammeln längst noch nicht leid. Im Gegenteil, Federer wirkt so frisch und hungrig wie in seinen besten Zeiten.

Federer tritt in Wimbledon selbstsicher auf

„Es ist nur noch ein Match zu spielen – und ich habe noch jede Menge Energie im Tank“, betonte Federer. Und das Turnier hätte auch kaum besser für ihn verlaufen können. In seinen sechs Partien gab er nur ein einziges Mal überhaupt seinen Aufschlag und einen Satz ab, im Viertelfinale gegen seinen Landsmann Stan Wawrinka. Federer war mit verblüffender Leichtigkeit und Souveränität bis ins Endspiel vorgedrungen und hatte dabei nur 10 Stunden auf dem Platz verbracht.

Djokovic dagegen, sein fünf Jahre jüngerer Kontrahent, hatte weit mehr Mühe auf dem Weg dorthin gehabt und fünf Stunden länger gespielt. Von Runde zu Runde war Federer sicherer geworden, und nach dem Härtetest gegen Wawrinka wusste er schließlich, wo er mit seinem Spiel tatsächlich steht. „Ich bin nicht überrascht, dass ich gut spiele“, erklärte Federer, „mein Spiel ist zurück. Und ich weiß, wenn alles stimmt, dass ich sehr schwer zu schlagen bin.“

Vor einem Jahr quälten ihn Rückenprobleme

Dass er wieder auf seinem stärksten Level angekommen ist, hängt damit zusammen, dass die Rückenprobleme der vergangenen Saison beseitigt sind. Federer hat hart gearbeitet, ist wieder spritziger und beweglicher. Zwei Titel in Dubai und Halle hat er in dieser Saison schon gewonnen, wieder Spieler aus den Top Ten geschlagen und sich schnell mit seinem neuen Schläger angefreundet. „So ist mein Selbstvertrauen automatisch zurückgekommen“, sagte Federer.

Das lag vor einem Jahr noch zerschmettert am Boden, nach seinem Aus in der zweiten Runde gegen Sergej Stachowski. So früh war Federer in Wimbledon zuvor seit 2002 nicht mehr ausgeschieden. Er hatte in dieser schweren Phase nach Lösungen gesucht, und mit dem Schweden Stefan Edberg eine perfekte gefunden. Das Idol seiner Kindheit berät und unterstützt Federer nun seit Saisonbeginn, und die Chemie zwischen ihnen stimmt. „Stefan ist ein Teil des Puzzles. Er gibt mir mehr Selbstvertrauen. Dass ich weiß, ich mache das Richtige“, erklärte Federer. Und den starken Rückhalt spürt der Vierfach-Vater auch von seiner Familie und dem Rest seines Teams. „Sie alle helfen mir dabei, dass ich immer noch heiß aufs Tennisspielen bin“, betonte Federer. Und aufs Gewinnen, natürlich.

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