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Wimbledon Championships : Sabine Lisicki nach Sieg gegen Williams im Viertelfinale

Immer wieder hat Sabine Lisicki in den vergangenen Tagen ihre ganz besondere Liebe zu den Wimbledon Championships betont. Nun durfte sich die letzte im Feld verbliebene Deutsche mit der Nummer eins Serena Williams messen - und wuchs über sich hinaus.

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Jan Lisicki jubelt. Foto: dpa
"Come on": Sabine Lisicki pushte sich immer wieder und konnte Serena Williams letztlich niederringen.Foto: dpa

Serena Williams fluchte und führte ein hitziges Streitgespräch mit sich selbst. Die Miene der Amerikanerin hatte sich tief verfinstert. Sie blickte hinauf zu ihrer Box, zu ihrem Trainer Patrick Mouratoglou, als erhoffte sie sich von ihm die rettende Idee. Williams wirkte ratlos und auch ein wenig perplex. Ganz so, als könne sie nicht glauben, was da gerade auf dem Centre Court von Wimbledon mit ihr passierte. Soviel Gegenwehr war Williams einfach nicht gewohnt. Denn seit einem Jahr ist sie die alles dominierende Kraft im Damentennis, die inzwischen eine Aura der Unbezwingbarkeit umweht.

Doch nun stand da Sabine Lisicki auf der anderen Seite des Netzes, und die hämmerte ihre Aufschläge und Returns mit ebensolcher Wucht ins Feld, wie es sonst nur Williams vermag. Lisicki spielte frech auf, hatte beleibe keine Angst vor der Nummer eins der Welt. Und Lisicki schaffte zunächst, was schon lange keiner Spielerin mehr gelungen war: Sie hatte Williams in diesem Achtelfinale einen Satz abgenommen. Plötzlich schien sogar das schier Unmögliche für die Berlinerin greifbar nahe, und die 15.000 Zuschauer auf den Rängen witterten längst die große Sensation. Sie sollte Lisicki gelingen. Mit einer bissigen und mutigen Leistung bezwang sie die Titelverteidigerin nach zwei Stunden mit 6:2, 1:6 und 6:4.

 Lisicki war bei ihrem letzten Matchball ans Netz vorgestürmt, Williams stand in schlechter Position an der Grundlinie, und so musste die Berlinerin den Vorhandball nur noch cross ins Feld tropfen lassen. Ihr spitzer Freudenschrei hallte durch den Centre Court, und Lisicki ließ sich bäuchlings auf den Rasen fallen. Sie konnte es nicht fassen. Und auch wenn sie aufhören konnte, zu strahlen, schossen ihr die Tränen in die Augen. Sie bedankte sich beim Publikum, das wie eine Wand hinter hier gestanden hatte und hüpfte glücklich über den Platz. Lisicki hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, wie sehr sie die Atmosphäre im All England Lawn Tennis Club liebe. "Ich bin so glücklich, ich zittere immer noch", sagte Lisicki nach ihrem Sieg und rang nach Worten, "sie hat so unglaublich gespielt, aber ich habe um jeden Ball gekämpft. Ich wollte unbedingt gewinnen." 

Keinen Zentimeter hatte Lisicki nachgegeben, egal, was Williams auch probierte. Ass um Ass schlug Lisicki mit gewaltigen 200 km/h ins Feld. Und sie feuerte die Bälle ihrer Kontrahentin genauso hart und flach wieder zurück, brachte Williams damit ein ums andere Mal aus der Balance. Lange war das niemandem mehr gelungen, und die Amerikanerin tat sich schwer, dem Dauerdruck stand zu halten. Fünf Spiele in Folge gewann Lisicki, um sich den ersten Satz unter dem Jubel der Zuschauer zu schnappen. Doch dann schien sich Williams gefangen zu haben, und nach dem 1:0 von Lisicki im zweiten Durchgang, holte sich die Nummer eins sieben Spiele in Serie - und ging mit 2:0 im dritten Satz in Führung.

Sabine Lisicki verbiss sich förmlich in jeden Schlag

Williams hatte die Kontrolle wieder übernommen, so schien es. Doch Lisicki verbiss sich förmlich in jeden Schlag, jede noch so winzige Chance, die sich ihr bot. Ihr gelang das Rebreak zum 2:3, doch Lisicki gab den nächsten Aufschlag wieder ab. Auch Williams hielt ihr Service danach nicht. Die Partie wogte, die Zuschauer waren elektrisiert. Lisicki attackierte, sie riskierte und schaffte das 5:4. Williams hatte noch eine Breakchance, die Wende gelang ihr jedoch nicht mehr. 

"Serena ist auch nur ein Mensch", hatte Lisicki kess vor der Partie erklärt, doch zumindest war Williams seit langer Zeit einer, der offenbar keinerlei Schwächen hatte. Aber Lisicki hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen und keck ausgenutzt, dass Williams in den ersten Runden noch nicht arg gefordert wurde. Lisicki dagegen war ihrem Ruf als Favoritenkillerin in Wimbledon einmal mehr gerecht geworden: Mit Swetlana Kusnezowa, Li Na und Maria Scharapowa hatte sie bereits drei amtierende French-Open-Champions auf dem heiligen Rasen zu Fall gebracht - Williams, aktuelle Titelverteidigerin in Paris, war die nächste. Und so, wie sich die Besten aus dem Turnier bereits verabschiedet haben, dürfte es für Lisicki wohl nicht die letzte gewesen sein.

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