Sport : Wimbledon: Den Instinkt am Netz entdeckt

Anke Huber hatte es eilig. In gerade einmal 38 Minuten fertigte die Karlsdorferin am Freitag die Russin Elena Dementjewa mit 6:0, 6:2 ab und zog als erste deutsche Tennisspielerin in Wimbledon ins Achtelfinale ein. Mutig und ungewohnt offensiv agierte die 25-Jährige auf dem ungeliebten Gras und überraschte damit nicht nur die 19-jährige Moskauerin. Der verdiente Lohn war ihr schnellster Sieg im elften Jahr auf dem "heiligen Rasen" und ein weiteres Spiel in der nächsten Runde gegen Justine Henin aus Belgien oder die Amerikanerin Lisa Raymond.

"Es gibt eigentlich keinen Grund, hier nicht gut zu spielen", hatte vorher Markus Schur gesagt. Da Hubers Trainer Boris Breskvar nicht mit nach London gekommen war, trainierte der Bundestrainer mehr als sonst mit der 26-Jährigen. Das schien geholfen zu haben. Immer wieder glänzte Anke Huber sogar am Netz. Im Interview mit Premiere World hatte er nämlich gemutmaßt: "Für so ein Spiel fehlt ihr der Instinkt." Gegen Elena Dementjewa war es anders. Auch im zweiten Satz glückte das frühe Break zum 2:1 und die Sache war gelaufen. Wie 1991, 1993, 1995 und 2000 steht die Fedcup-Spielerin damit im Achtelfinale - als einzige aus dem acht Spielerinnen starken Aufgebot des Deutschen Tennis Bundes.

Die vierte Runde konnten nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe auch David Prinosil und der am Freitag spielfreie Nicolas Kiefer erreichen. Prinosil hatte allerdings gegen Marat Safin eine knifflige Aufgabe zu lösen. Doch im Gegensatz zu dem Russen hat er auf Gras schon Titel gewonnen: im Vorjahr in Halle und 1995 in Newport.

Auch Nicolas Kiefer ist auf Gras ein gefährlicher Spieler. "Der Oberschenkel zwickt zwar noch ein bisschen. Aber es geht mir gut und ich kann am Samstag auf jeden Fall spielen", sagte der 23-Jährige. Dann ist Andrej Stoliarow aus Russland sein Gegner, der die am Abend zuvor abgebrochene Partie gegen den Franzosen Cedric Pioline mit 12:10 im fünften Satz gewann.

Derweil erlebt Goran Ivanisevic im All England Club eine sportliche Wiedergeburt. Der Kroate, der schon in der Versenkung verschwunden war und sich mit einer Schulterverletzung herumplagte, stürmte wie zu besten Zeiten ins Achtelfinale des mit 11,8 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turniers. Andy Roddick, der hochgelobte Aufsteiger aus den USA, konnte dem Power-Tennis des 29 Jahre alten "Herrn der Asse" nicht Paroli bieten und musste dem dreifachen Finalisten den 7:6 (7:5), 7:5, 3:6, 6:3-Sieg überlassen. Weiter ist auch die 94er Siegerin Conchita Martinez aus Spanien und Lokalmatador Greg Rusedski (England), der French-Open-Finalist Juan-Carlos Ferrero (Spanien) ausschaltete.

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