Wimbledon : Die Revanche fällt aus

Nach der Absage von Rafael Nadal ist Roger Federer in Wimbledon der große Favorit. Mit einem Triumph könnte er den Rekord von Pete Sampras mit dann 15 Grand-Slam-Siegen übertreffen.

Petra Philippsen[London]
French-Open-Sieger Federer sagt Halle-Start ab
Favorit Federer. So wie nach seinem Sieg bei den French Open will Federer auch in Wimbledon jubeln.Foto: dpa

Der All England Lawn Tennis Club ist sehr eigen, was seine uralten Traditionen betrifft und weicht auch nur in besonderen Ausnahmefällen von ihnen ab. So ist es den Spielern, die sich in diesen Tagen auf den wichtigsten Grand Slam der Saison in Wimbledon vorbereiten, strikt untersagt, auf den Turnierplätzen ihr Training zu absolvieren. Es gibt allerdings ein paar Auserwählte, die die penibel getrimmten Rasenflächen nutzen dürfen. Dass Roger Federer als fünfmaliger Champion zu ihnen gehört, überrascht nicht.

Auf Court 14 hat sich der frisch gekürte French-Open-Sieger zusammen mit Marat Safin zurückgezogen. Der Russe ist zum Scherzen aufgelegt, Federer gibt sich ebenso locker und entspannt, er lacht viel an diesem Nachmittag. Immer wieder bleiben Spieler stehen und schauen neugierig und amüsiert dem Treiben der beiden zu, ab und zu beklatschen sie einen besonders gelungenen Schlag. Federer wirkt wie ein Champion, der weiß, dass alle Vorzeichen für ihn sprechen – sein ärgster Rivale Rafael Nadal kann nicht zur Titelverteidigung antreten. „Rafa hat mir erzählt, dass es nicht so gut aussieht“, sagte Federer, „es ist sehr enttäuschend für das Turnier und auch für mich. Ich kann mich jetzt nicht für die Niederlage im letzten Jahr revanchieren.“

Tief enttäuscht hatte auch Nadal selbst am Abend eingestehen müssen, dass seine Sehnenentzündungen in beiden Knien einen Start nicht zulassen würden. „Ich habe alles versucht“, sagte der spanische Weltranglistenerste, „aber es reicht nicht. “ Seit neun Monaten habe er nur unter Schmerzen spielen können, fügte Nadal hinzu, vielleicht habe er zu viele Turniere absolviert. Wie lange Nadal pausieren muss, ist offen, Ärzte spekulieren über eine bis zu dreimonatige Auszeit.

Ohne den Spanier, der im Vorjahr im Finale eines der besten Matches der Tennis-Geschichte gegen Federer in fünf Sätzen gewann, scheint der Weg frei für den Schweizer – wie bereits bei den French Open. Doch von dem riesigen Druck, den Federer in Paris nach dem Aus von Nadal verspürte, will er nun nichts wissen: „Seit Paris bin ich entspannter. Ich fühle mich so erleichtert und bin bereit für Wimbledon.“ Dass Federer mit einem erneuten Triumph den Rekord von Pete Sampras mit dann 15 Grand-Slam-Siegen überflügeln und zudem Nadal von der Spitze der Rangliste verdrängen könnte, interessiert ihn derzeit wenig. „Ich will mir meine Trophäe zurückholen. Das ist das Wichtigste“, betonte der Schweizer.

Geht es nach den Wünschen der Briten, wäre es allerdings an Andy Murray, die Leidenszeit nach 73 Jahren ohne englischen Sieger endlich zu beenden und den Titel zu holen. Nach seinem Turniersieg im Londoner Queen’s Club lastet der Druck einer ganzen Nation auf dem 22 Jahre alten Weltranglistendritten. Auch Federer erwartet viel von Murray: „Andy ist der stärkste Gegner für mich und kann sicher für eine Überraschung sorgen.“

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