Sport : Wimbledon: Echt schlecht

Thomas Haas spielte schlecht, bevor ihm schlecht wurde. Nach 2:20 Stunden Spielzeit in seiner Auftaktpartie in Wimbledon gegen Wayne Black aus Simbabwe gab der Tennisprofi aus Hamburg auf. Da stand es 4:6, 7:5, 1:6, 0:3 gegen den Deutschen. Die Chancen auf ein Weiterkommen waren dahin. "Herr Haas fühlt sich übel", sagte der Stuhlschiedsrichter zur Begründung für die Aufgabe des Deutschen.

Daviscup-Kamerad Nicolas Kiefer war zu Beginn seines Matches gegen Alex Calatrava (Spanien) noch schlechter, steigerte sich dann aber zum verdienten 2:6, 6:3, 6:1, 6:4-Erfolg. Er spielt nun gegen den Dänen Kristian Pless. Auch der Bad Homburger Rainer Schüttler erreichte durch seinen 7:6 (7:3), 7:6 (7: 4), 7:5-Erfolg über den Kroaten Ivan Ljubicic die zweite Runde, in der er auf den Franzosen Sebastien Grosjean trifft. Und Qualifikantin Anca Barna aus Nürnberg setzte mit einem 6:4, 6:4-Erfolg über Rita Grande aus Italien ihre Erfolgsserie fort, während sich die Heidelbergerin Jana Kandarr gegen Ana Isabell Medina Garrigues aus Spanien 6:3, 7:6 (7:4) durchsetzte.

Broccoli mit einer Käsesoße bei einem Londoner Nobel-Italiener - das könnte der Grund sein für das Desaster des Thomas Haas. "Das habe ich am Montagabend gegessen", sagte Haas nach dem Match. "Mir geht es echt schlecht." Bereits nach Ende des ersten Satzes hatte sich Haas vom Masseur den chronisch angeschlagenen Rücken kneten lassen. "Es waren einige Wirbel nicht richtig drin", erzählte der 23-Jährige, "es fing schon vor einigen Tagen an, aber hier ist Wimbledon, da versucht man alles."

Das Aufbäumen danach war nur von kurzer Dauer, bereits im dritten Satz diskutierte der Hamburger mehr mit dem Schiedsrichter, die Leistung wurde immer schwächer. Black, eigentlich in der Qualifikation gescheitert und dann noch als so genannter Lucky Loser ins Hauptfeld geraten, brauchte nur noch den Ball im Spiel zu halten. "Ich wusste gar nicht mehr, wo ich war. Ich hatte das Gefühl, ich kippe gleich um." Auch Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb zeigte Mitgefühl: "Er war in der Kabine hinterher sehr enttäuscht. Normalerweise kann er gegen Black nicht verlieren. Man hat gesehen, dass etwas nicht in Ordnung war."

Schon die Ansetzung des Matches auf Platz fünf ließ das Schlimmste befürchten. "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht auf einem Show Court angesetzt wurde", sagte Haas vor der Partie im TV-Sender Premiere, "ich war hier schon in der Vergangenheit nicht so erfolgreich, weil es ein kleiner Platz ist." Vor der Partie musste er sich ohne Begleitung von Sicherheitskräften mit Trainer Sven Groenveld den Weg durch die Menge bahnen. Ein Anti-Star-Umfeld für Haas, den selbsternannten Centre-Court-Spieler.

Doch die Herren des All England Clubs haben die derzeitige Spielstärke und Attraktivität des Deutschen schon richtig eingeschätzt. Da nutzten auch die Proteste von Premiere nichts, die dadurch keine Liveübertragung des 23-Jährigen für seine Abonnenten zu Stande brachten. Als er vor der Aufgabe zum zweiten Mal nach medizinischer Unterstützung verlangte, hatte sein Gegner die Nase voll und rief nach einem Ober-Schiedsrichter: "Mr. Black ist genervt", erklärte der Stuhlschiedsrichter, "er denkt, Haas will nur die Partie unterbrechen."

Unter chronischen Rückenproblemen hat der Hamburger seit langem zu leiden, akute Probleme waren vor seinem Start beim wichtigsten Tennisturnier der Welt allerdings nicht bekannt. Zur Pflege reist er seit einiger Zeit deshalb mit einem eigenen Physiotherapeuten durch die Tennis-Welt. Seit rund zwei Monaten lässt er sich von Groeneveld als Trainer betreuen, voran geht es mit seiner Karriere aber nicht. Bei den Niederlagen in Hamburg und Halle in diesem Frühjahr wurde er von den deutschen Fans zum Teil ausgepfiffen - der einstige Sonnyboy ist dabei, Sympathien zu verspielen.

Ausrüster Nike mochte seinen lukrativen Vertrag nicht verlängern, und die für Wimbledon geplanten Verhandlungen mit einem neuen potentiellen Partner dürften für seinen Manager nach der Blamage vom Dienstag nicht einfacher werden.

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