Sport : Wimbledon: Einmal Altstar und zurück

Heiko Hinrichsen

Er ist der erste Spieler, der mit einer Wildcard ins Halbfinale des Tennisturniers von Wimbledon gestürmt ist. "Bei mir weiß man eben nie", sagte Goran Ivanisevic nach seinem 7:6, 7:5, 3:6, 7:6-Sieg über den russischen US-Open-Sieger Marat Safin, "manchmal verliere ich gegen die Nummer 200 der Welt. Doch zurzeit kann ich gegen jeden Spieler auf der Tour gewinnen." In der Tat erlebt der 29-jährige Kroate, der bereits dreimal im Finale von Wimbledon stand, aber nie gewinnen konnte, dieser Tage seine sportliche Wiedergeburt.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Als Nummer 128 im Champions Race platziert, benötigte Ivanisevic zunächst die Hilfe der Turnierleitung, um in Wimbledon nicht in die Qualifikation zu müssen. Nach dem neunten Turniertag steht der Mann aus Split nun in der Vorschlussrunde. Und wenn es nach seinem gestrigen Gegner Marat Safin geht, dann ist für Ivanisevic im Semifinale noch nicht Schluss. "Goran setzt einen auf dem Platz permanent unter Druck", sagte der unterlegene Russe, der immerhin gegenwärtig die Nummer drei der Welt ist. "Wenn er in dieser Form nicht den Titel holt, bin ich ihm echt böse."

Mit der Gewalt seines harten Aufschlags behielt Ivanisevic in den brenzligen Situationen die Oberhand. Sowohl im ersten als auch im zweiten Satz konnte sich der "verrückte Kroate", wie er wegen diverser Eskapaden in seiner 13-jährigen Karriere genannt wird, im entscheidenden Moment auf seine Kraft, Intuition und das nötige Quäntchen Glück verlassen. Als begeisterter Zuschauer fand Formel-1-Boss Bernie Ecclestone Gefallen an den rasanten Ballwechseln. Oft aber kam es überhaupt nicht soweit. Denn nicht nur Ivanisevic schlug reihenweise Asse (30), sondern auch Safin (14).

Vor einem Jahr wurde Ivanisevic noch mit vergangenen Größen wie Boris Becker, Ilie Nastase oder dem damals 93 Jahre alten Bunny Austin bei der "Champions Parade" zum Millenium auf dem Centre Court geehrt. Deutlicher hätten die Herren des All England Club nicht demonstrieren können, dass in ihren Augen die Zeit des dreimaligen Finalisten vorbei war. Goran Ivanisevic, ein Altstar aus vergangenen Tagen, mit Schulterschmerzen und mentalen Problemen.

Im Halbfinale trifft Ivanisevic morgen auf den Briten Tim Henman, der die 14 000 Zuschauer auf dem Centre Court von Wimbledon beim 7:5, 7:6, 2:6, 7:6 gegen den Sampras-Bezwinger Roger Federer begeisterte. 65 Jahre nachdem Fred Perry als letzter Brite bei den All England Championships gesiegt hatte, warten die Tennisfans auf der Insel noch immer auf einen Erfolg eines Landsmannes. Ob Tim Henman ihre Erwartungen erfüllen kann?

Neben Henman und Ivanisevic hat auch Andre Agassi den Sprung unter die letzten vier geschafft. In seiner Viertelfinalpartie verlor die Nummer zwei der Setzliste gegen Nicolas Escudé lediglich den ersten Satz (im Tiebreak 6:7). Danach hatte der Franzose keine Chance mehr gegen das druckvolle Spiel des Mannes aus Las Vegas, der mit 6:3, 6:4, 6:2 gewann. So kommt es morgen im zweiten Halbfinale zwischen Andre Agassi und Patrick Rafter zum Duell der Zweitplatzierten der Jahre 1999 und 2000. Der Australier besiegte den Schweden Thomas Enquist glatt mit 6:1, 6:3, 7:6.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben