Sport : Wimbledon: Hingis, Williams und die Mode

Erich Schäfer

Gemeinplätze sind in England ähnlich populär wie Tennisplätze. Aber genau so wenig, wie jeder Brite einen Butler hat und Punkt fünf Uhr Tee trinkt, regnet es jeden Tag. Es regnet zwar regelmäßig, doch weil es keine Regel ohne Ausnahme gibt, lacht seit fünf Tagen die Sonne vom Londoner Himmel. Das ist Glück für die Zuschauer und Pech für Martina Hingis, die am Montag nicht nur wegen der Gegnerin ziemlich ins Schwitzen geriet.

Die Schweizerin hatte sich für die 115. All England Championships mit einem neuen Dress herausputzen lassen. Nach dem Match gegen die coole Spanierin Virginia Ruano-Pascual war ihr Gesicht aber ebenso lang wie die ungewöhnlichen Ärmel. Die weiße Weste der Schweizerin war bei 31 Grad im Schatten mit einer Niederlage befleckt, die sie mehr schmerzte als ihr Rücken. "Wäre es nicht Wimbledon gewesen, wäre ich wohl gar nicht angetreten", sagte Hingis.

Eine billige Ausrede? Wahrscheinlich nicht. Zu oft hat Martina Hingis nach Niederlagen geweint, hat Gegnerinnen lächerlich gemacht, hat sich danebenbenommen. Diesmal blieb sie still. Martina Hingis wird auch nach Wimbledon die Weltrangliste anführen. "Ich denke, dass ich die verdiente Nummer 1 bin", sagte Hingis nach dem überraschenden K. o. "Ich spiele am konstantesten und verliere immer gegen verschiedene Spielerinnen." Sie ist erst die vierte Nummer 1 der Welt, die sich in der 1. Runde aus dem All England Lawn Tennis & Croquet Club verabschiedet hat. Sie war auch die dritte (1999 unterlag sie der Qualifikantin Jelena Dokic), damit ist Hingis alleinige Rekordhalterin.

Mit Venus Williams verbindet Hingis die Liebe zur Mode, denn auch Venus erschien im neuen (selbst entworfenen) Outfit zur Premiere 2001 - beim 6:2, 6:3 gegen die Japanerin Asagoe hatte die Titelverteidigerin mehr Mühe, als ihr lieb war. Das dezente Weiß mit roter Perlenkette stand Venus gut zu Gesicht, Hingis hatte nichts auszusetzen. Im Gegensatz zu den Australian Open, wo sie Venus geraten hatte, "die Brust besser einzupacken, weil es ihr Spiel stören könnte."

Für Aufsehen sorgte wieder einmal Vater Richard, der laut britischem Tennisverband 200 000 Pfund verlangte, damit seine Töchter in London für Kinder Autogramme schreiben. "Stimmt nicht", sagte Venus, "wir haben keine Zeit."

Aber: Ist Zeit eigentlich nicht auch Geld?

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