Wimbledon : Kimiko Date: Mutti gibt Lehrstunden

Kimiko Date-Krumm wird 43 Jahre alt und ist immer noch Weltspitze: In der ersten Runde von Wimbledon gab sie gerade mal zwei Spiele gegen die 18-jährige Deutsche Carina Witthöft ab.

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Erfahrung hat gesiegt. Date (li.) und Witthöft.
Erfahrung hat gesiegt. Date (li.) und Witthöft.Foto: REUTERS

Nach einer Dreiviertelstunde hatte Kimiko Date-Krumm wieder einmal jegliche Normen von Zeit und Alter außer Kraft gesetzt. Im All England Club lieferte die 42 Jahre alte Japanerin eine Lehrstunde in Sachen Rasentennis ab und ließ ihre 18-jährige Schülerin Carina Witthöft dabei mit 6:0 und 6:2 glatt durchfallen. Die Hamburgerin hatte sich gerade noch über ihre erste Teilnahme in einem Grand-Slam-Hauptfeld gefreut, da machte sie Date-Krumm bereits mit der rauen Wirklichkeit der Frauentour bekannt. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sie noch so gut spielen kann“, staunte Witthöft. Und dass sie vielleicht etwas zu lange staunte bei ihrem ersten Auftritt in Wimbledon, zudem vor so vielen Japanern auf den Tribünen, und sie „super nervös“ war, machte es Date-Krumm wohl noch leichter.

„Tennis spielt sich vor allem im Kopf ab“, verriet sie, „und man braucht sehr viel Erfahrung.“ Und die hat die Japanerin reichlich zu bieten. Sie spielte ihre erste Saison 1989, als Steffi Graf und Boris Becker noch in Bestform waren. 1996 dann, als sie die Nummer vier der Welt war und Graf im Halbfinale von Wimbledon nur knapp unterlag, beendete Date-Krumm ihre Karriere. Einfach so. Sie war 26 Jahre alt und hatte keine Lust mehr. Sie heiratete den deutschen Rennfahrer Michael Krumm, genoss ihr Privatleben. Bis Ende 2008 die Lust auf Sport zurückkehrte. Nach zwölf Jahren Pause gewann sie auf Anhieb den Titel in Seoul. „Ich kann jetzt endlich alles genießen und habe so viel Spaß“, sagte sie, „früher war ich viel zu verbissen.“

Nun ist die mit Abstand älteste Spieler der Tour so etwas wie die Mutter der Kompanie, bei der die Jüngeren Rat suchen, und die von früher erzählt. „Graf, Sabatini, Seles – die konnten alle variieren, spielten alle ganz unterschiedlich“, erinnerte sich Date-Krumm, „heute schlagen die Mädchen hart, aber alle machen dasselbe. Es geht nur: bam, bam, bam.“ Witthöft war da keine Ausnahme. Talent hat sie, nur braucht sie noch Zeit, um klüger und taktisch versierter zu spielen. Date-Krumm hat längst gelernt, wie sie das Beste aus ihren Möglichkeiten macht. Ihr Patentrezept: „Sehr viel grüner Tee – aber nur chinesischen.“

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