Wimbledon : Lisickis großes Comeback

Sabine Lisicki schlägt in Wimbledon die French-Open-Siegerin Li Na und holt ihren vielleicht wichtigsten Sieg der Karriere. Auch Julia Görges erreicht die nächste Runde.

Petra Philippsen
Fassungslos vor Freude. Sabine Lisicki geht nach dem Matchball auf die Knie.
Fassungslos vor Freude. Sabine Lisicki geht nach dem Matchball auf die Knie.Foto: AFP

Mit einem spitzen Freudenschrei sank Sabine Lisicki an der Grundlinie zu Boden und vergrub die Hände im Gesicht. Sie hatte einen großen Sieg errungen, vielleicht einen der größten ihrer Karriere. Mit 3:6, 6:4 und 8:6 hatte die 21 Jahre alte Berlinerin die amtierende French-Open-Siegerin Li Na auf dem Center Court von Wimbledon niedergekämpft, die Freude darüber übermannte sie. Lisicki bedankte sich winkend bei den 15 000 Zuschauern, aber schon da liefen ihr die Tränen übers Gesicht. „Ich kann es einfach nicht fassen“, sagte Lisicki und rang noch immer nach Worten.

Es war ein Kampf gewesen, der beide Spielerinnen an ihre Grenzen geführt hatte. Einer, bei dem am Ende nur die größere Willensstärke über den Sieg entschied. Im ersten Satz schien noch alles im Sinne der Chinesin zu laufen, die die Kontrolle behielt, auch wenn Lisicki gut mithielt. Ein Break reichte für die Führung, doch schon im zweiten Durchgang hatte sich die Bollettieri-Schülerin so richtig unter dem Dach des Center Courts warm gespielt. Schnell ging Lisicki mit 5:2 in Führung, doch Li Na kam durch ihr cleveres Grundlinienspiel noch einmal zurück. Lisicki wehrte sich verbissen, holte sich den Satz noch mit 6:4.

Der entscheidende Durchgang wurde ein offener Schlagabtausch, bei dem die Kräfteverhältnisse schwankten. Ein paar Mal schien es, als würde Lisicki doch nervös werden, zu schnell kassierte sie das Break zum 2:3. Li Na hielt souverän ihre Aufschlagspiele, hatte beim Stand von 5:3 gar zwei Matchbälle.

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Lisicki antworte, wie es die Besten der Branche zu tun pflegen: mit zwei Servicewinnern, gefolgt von zwei Assen. Li Na spürte, wie Lisicki merklich den Druck erhöhte. Ihre Aufschläge hätten eine Geschwindigkeit, die mit Männern mithalten könne, wird Li Na später sagen. Die Willensstärke und der Ehrgeiz der Berlinerin waren nun voll entfacht, ihr gelang das Rebreak zum 5:5.

Doch der Arm zitterte Lisicki im folgenden Aufschlagspiel, sie gab ihr Service zum 5:6 ab. Wieder war sie von der Niederlage einen Schritt entfernt. Aber auch Li Na begannen nun die Nerven zu flattern, auch weil Lisicki keinen Zentimeter nachgab und sich nach jedem Punktgewinn lautstark anfeuerte. Mit 7:6 lag Lisicki nun in Führung, hatte zwei Matchbälle, die Li Na jedoch ebenfalls mit starken Aufschlägen vereitelte. Der dritte aber wurde eine längere Rallye, bis die Vorhand der Chinesin neben der Seitenlinie aufkam. Während Lisicki wie in Trance ihr Glück kaum fassen konnte, nahm Li Na die Niederlage gelassen: „Wir haben beide ein unglaubliches Match geliefert, ich hatte nur ein bisschen Pech.“

Für Lisicki aber war es weit mehr als nur der Einzug in die dritte Runde des wichtigsten Turniers der Saison. Denn er entschädigte sie für die lange Leidenszeit. Ehrgeizig kämpfte sich Lisicki zurück. Vor zwei Jahren schaffte sie es in Wimbledon bis ins Viertelfinale. Auch damals hatte sie die French-Open-Siegerin bezwungen. „Das ist ein gutes Omen“, hofft Lisicki. „Ich liebe solche Matches. In großen Stadien vor vielen Leuten und starken Gegnerinnen“, hatte sie vor der Partie gesagt. Auch für Julia Görges galt das, die mit einem 7:6 und 6:2-Sieg über Mathilde Johansson ebenfalls in die dritte Runde einzog. Davon konnten die deutschen Männer nur träumen, mit der 6:1, 3:6, 2:6 und 2:6-Niederlage von Florian Mayer gegen den Belgier Xavier Malisse war dieser als Letzter von 13 gestarteten Profis ausgeschieden.

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