Sport : Wimbledon: Regen verlängert die Spannung

Heiko Hinrichsen

Die Briten nennen das Phänomen, das dieser Tage durchs Land zieht, "Henmania". Und der Mann, auf dessen schmalen Schultern die Hoffnungen der Tennisfans im gesamten Königreich ruhen, ist bisher unter der Last seines Amtes nicht in die Knie gegangen. Mit 5:7, 7:6, 6:0, 2:1 führt Tim Henman aus Oxford in seinem Halbfinalspiel gegen den Kroaten Goran Ivanisevic und ist damit auf dem besten Wege, zum ersten Mal in seiner Karriere das Finale der All England Championships von Wimbledon zu erreichen. Er hätte es schon gestern schaffen können, wenn da nicht der Londoner Regen gewesen wäre, der dem Siegeszug des Engländers in den Abendstunden ein vorläufiges Ende setzte. Also musste die Nation noch eine Nacht weiter zittern und hofft heute, wenn das Match zu Ende gespielt wird, auf den großen Wurf ihres Landsmannes. 65 Jahre nach dem Wimbledonsieg von Fred Perry hat sich Tim Henman durch seinen gestrigen Auftritt alle Chancen erhalten, für die britischen Tennisfans unsterblich zu werden. Denn seit 1936 wartet das ganze Land noch immer auf den Triumph eines Landsmannes in Wimbledon, dem wichtigsten Tennisturnier der Welt.

Online-Gaming Spiel, Satz und Sieg: Der Pong-Klon von meinberlin.de Spannend war es auch im ersten Halbfinale des Tages zwischen dem Australier Patrick Rafter, Nummer drei der Setzliste, und dem um einen Rang höher eingestuften Amerikaner Andre Agassi. Nach drei Stunden Spielzeit war es schließlich Rafter, der das Spiel in fünf Sätzen mit 2:6, 6:3, 3:6, 6:2 und 8:6 hauchdünn für sich entschied. Zunächst hatte vieles für Agassi gesprochen, der mit der Unterstützung von Freundin Steffi Graf auf der Tribüne des Centre Courts im fünften Satz beim Stand von 5:4 bereits zum Matchgewinn servierte. Dann aber war es der 28-jährige Patrick Rafter, der sich das Break zum 5:5 holte, zwei Spiele später seinem Gegner bei eigener 7:6-Führung erneut den Aufschlag abnahm und damit die Begegnung beendete. "Wir haben beide großartiges Tennis gespielt. Pats Breakball zum 7:6 war nur ein Beispiel dafür, dass er heute einfach zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Schlag zu bieten hatte", sagte ein frustrierter Andre Agassi nach dem Match. Er kannte nur noch ein Ziel: "Ich möchte diese Niederlage so schnell wie möglich abschütteln, doch das wird wohl noch eine ganze Weile dauern." Nach seinem erneuten Sieg über Agassi steht somit wie im Vorjahr der Australier Patrick Rafter im Finale von Wimbledon. Es war bereits das dritte Mal, dass sich die Wege von Agassi und Rafter im Halbfinale von Wimbledon kreuzten. Beim ersten Aufeinandertreffen 1999 beförderte Andre Agassi den Mann vom fünften Kontinent in drei Sätzen 7:5, 7:6, 6:2 aus dem Turnier. Doch dem Unterlegenen gelang wiederum nur ein Jahr später die Revanche, als Rafter im besten Spiel des Wimbledonturniers 2000 seinen Gegner in einem Fünfsatz-Krimi besiegte. Doch dann scheiterte Rafter wie im Jahr zuvor Agassi im Endspiel an Pete Sampras. Doch dieses Mal ist Pete Sampras bereits im Achtelfinale am Schweizer Roger Federer gescheitert. Der Weg zum Titel ist also frei. Daher wollte Patrick Rafter auch keine große Affäre aus seinem knappen Sieg gegen Andre Agassi machen: "Es stimmt zwar, dass man in seiner Karriere nur jede 200. Partie so umdreht wie ich es heute getan habe. Doch es gibt noch ein Spiel zu spielen." Das Finale am Sonntag gegen Tim Henman oder Goran Ivanisevic.

Doch egal, welcher der beiden heute im zweiten Halbfinale gewinnt: Goran Ivanisevic ist die Überraschung des Wimbledonturniers 2001. Der Kroate benötigte zunächst eine Wildcard, um nicht durch die Qualifikation zu müssen. Und der 29-jährige Routinier aus Split, der an der Church Road bereits dreimal im Finale stand, ohne jemals zu gewinnen, rechtfertigte mit einer ganzen Reihe von Assen und klassischem Rasentennis das Vertrauen. Sein Siegeszug führte ihn ins Semifinale, und Ivanisevic hatte auch eine Erklärung für seinen Erfolg: "Zu Beginn meiner Karriere habe ich für meine Schwester gespielt, die an Krebs erkrankt war und inzwischen geheilt ist. Dann kam der Krieg, und ich entschloss mich, für die Menschen in Kroatien zu spielen. Doch nun war es Zeit, einmal an Goran selbst zu denken."

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