Wimbledon : Schlechte Kopie und perfektes Spiel

Mitfavorit Novak Djokovic scheidet in Wimbledon aus – der Hamburger Zverev ist in Runde drei.

Petra Philippsen
Djokovic Foto: AFP
Novak Djokovic -Foto: AFP

LondonDie Veranstalter in Wimbledon hatten es Mischa Zverev nicht leicht gemacht. Sein Match gegen Juan Carlos Ferrero wurde am Mittwoch parallel zu dem von Marat Safin und Novak Djokovic angesetzt. Dabei hätte der Tennisprofi Zverev seinen Freund und Trainingspartner Marat Safin nur allzu gerne persönlich auf dem Centre Court angefeuert. Stattdessen spielte Zverev seine Zweitrundenpartie am Fuße des imposanten Hauptplatzes und konnte auf der Ergebnistafel mitverfolgen, dass sein russischer Gefährte auch ohne seine Unterstützung bestens zurechtkam. „Ich habe natürlich nicht immer hingeschaut“, sagte der 20-jährige Hamburger lächelnd, dessen Eltern aus Moskau stammen und beide ehemalige Tennisprofis sind. Zverev absolvierte seine Aufgabe gegen den ehemaligen French-Open-Sieger dennoch konzentriert und souverän, spielte dabei als einer von nur noch wenigen Profis die offensive Serve-and-Volley-Taktik. „Sofort nach vorne und angreifen, das ist einfach mein Spiel. Ich bluffe gerne ein bisschen“, erklärte Zverev, nachdem Ferrero beim Stand von 6:4, 6:4 und 2:1 für Zverev verletzt aufgeben musste. Damit schaffte es der Weltranglisten-92. zum ersten Mal in die dritte Runde bei einem Grand-Slam-Turnier.

Dennoch waren die Ereignisse auf dem Centre Court wesentlich überraschender als Zverevs Erfolg. Und auch den Zuschauern auf den Rängen fiel es sichtlich schwer, die ungewöhnlich schwache Vorstellung von Novak Djokovic zu begreifen. Gerade jener Spieler, der im Saisonverlauf bisher der erfolgreichste war und nach seinem Triumph in Melbourne neben Roger Federer und Rafael Nadal als klarer Mitfavorit auf den Titel in Wimbledon gehandelt wurde, präsentierte sich wie eine blasse Kopie des sonst perfektionistischen Profis. Zwölf Breakchancen ließ er zu, dazu unterliefen dem Serben zehn Doppelfehler, von dem der letzte das Match zum 4:6, 6:7 und 2:6 für Djokovic beendete. „Es hat nichts funktioniert. Das war ein ganz schlimmer Tag für mich“, sagte der Weltranglistendritte enttäuscht. Auf den dreifachen Champion John McEnroe hatte Djokovic einen erschöpften Eindruck gemacht: „Er hat zu viel gespielt, da kommt dann eben so ein Match zustande. Er muss mit seinem Turnierplan besser aufpassen“, tadelte McEnroe. Mental sei er ausgelaugt, gestand Djokovic nachher selbst ein und ein Gegner wie Safin wüsste diese Schwäche dann eiskalt zu nutzen. „Marat ist immer noch ein großer Spieler. Und er hat nichts zu verlieren. Das macht ihn so gefährlich“, fügte er enttäuscht hinzu.

Einmal mehr hatte der charismatische Russe zugeschlagen, als nur wenige damit gerechnet hatten. Er selbst hatte sich wohl auch nicht allzu viel zugetraut. Das zeigte sich besonders nachhaltig darin, dass der Rückflug von London nach Moskau bereits gebucht war. „Es ist nicht leicht“, stellte er nach dem Match fest, „sich täglich neu zu motivieren, wenn man ständig verliert. Aber jetzt fühle ich, dass meine Zeit wieder gekommen ist.“ Der ehemalige Weltranglistenerste, der inzwischen auf Platz 75 rangiert, fand aber auch: „Ich habe schon lange nicht mehr so gut gespielt und ich danke denen, die den Rasen hier so langsam gemacht haben. Vielleicht werde ich jetzt doch noch Rasenspezialist.“ Petra Philippsen

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