Wimbledon : Serena Williams: Herrsche und teile dich mit

Wimbledon erlebt die Rückkehr der redseligen Regentin Serena Williams. Mit 13 Grand-Slam-Titeln hat sie niemandem mehr etwas zu beweisen, doch ihr Wille macht sie zur meistgefürchteten Gegnerin.

Petra Philippsen
Muskelspiele auf Rasen. Mit der US-Amerikanerin Serena Williams ist auch das Powertennis nach Wimbledon zurückgekehrt.
Muskelspiele auf Rasen. Mit der US-Amerikanerin Serena Williams ist auch das Powertennis nach Wimbledon zurückgekehrt.Foto: dpa

Wie auf Kommando drehten sich am Vormittag alle Spielerköpfe auf den Trainingsplätzen in Richtung Eingang. Doch es war nicht etwa Queen Elizabeth II., die dem All England Club wieder einen Besuch abstattete, auch wenn man es fast hätte meinen können. Denn mit kaum weniger Aufhebens und einer Entourage von geradezu königlichem Ausmaß betrat Serena Williams den Trainingsbereich. Die Regentin des Damentennis war nach einem Jahr Abwesenheit auf die Tour zurückgekehrt, um die Machtverhältnisse wieder geradezurücken. Und sie tat es auch zum Auftakt, auch wenn es sie gegen Aravane Rezai einige Mühe kostete. Die Französin, die vor einem Jahr noch die Nummer 15 der Welt war, trieb Williams zu einer Partie auf hohem Niveau und unterlag ihr erst nach hartem Kampf 3:6, 6:3 und 1:6. „Ich hatte so eine schwere Zeit“, sagte Williams danach unter Tränen, „ich dachte nicht, dass ich hier wieder stehen würde. Ich bin so glücklich.“

Ihre Fassung fand sie jedoch schnell wieder. „Ich denke immer noch, dass ich die Nummer eins bin, auch wenn ich es nicht bin“, sagte Williams, „wenn man nicht fühlt, dass man die Beste ist, wird man auch nie die Beste.“ Die Weltrangliste führt die Amerikanerin zwar nur noch auf Platz 26, doch gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Venus hat sie in den letzten elf Jahren neun Titel in Wimbledon gewonnen. Der Club machte daher von seinem Vorrecht Gebrauch und setzte Serena Williams als Titelverteidigerin trotzdem als Nummer sieben ins Feld. Auch Venus Williams kehrte erst vor Wimbledon auf die Tour zurück. Wegen anhaltender Hüftprobleme spielte sie in den letzten zwölf Monaten nur zwei Turniere: die Australian und die US Open. Das Fehlen der Power-Schwestern hatte ein Vakuum hinterlassen, das dem Ansehen des Frauentennis nicht guttat.

125 Jahre Wimbledon
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Nun aber ist Serena Williams zurück, wie jeder mitkriegen soll. Sie weiß, wie man sich wirksam ins Rampenlicht stellt. Dass sie ihre wahre Berufung in der Schauspielerei sieht, sagt Serena Williams immer wieder, und so neigt sie bei ihren Erzählungen mitunter zu Übertreibungen, über deren Wahrheitsgehalt sich niemand so ganz sicher ist. Was ihre fast einjährige Leidensgeschichte angeht, bleibt vieles unklar. Im letzten Jahr soll Serena Williams in einem Münchner Restaurant ihren Wimbledonsieg gefeiert haben und dabei in eine Scherbe getreten sein. „Wir verließen das Restaurant, und plötzlich fühlte ich etwas. Dann sah ich nur noch Blut und wurde ohnmächtig“, erinnert sie sich. Zeugen gibt es nicht. Dass die mit zwölf Stichen genähte Schnittwunde auf der Fußoberseite liegt, sorgte ebenso für Verwunderung wie Fotos, die Serena Williams wenig später in hochhackigen Schuhen zeigten. Doch zwei Fuß-Operationen folgten, 20 Wochen sei sie mit Gips ans Bett gefesselt gewesen. Sie habe sich „wie im Gefängnis“ gefühlt. Dass sie sich nicht habe bewegen können, hätte dann zu einer Lungenembolie geführt. In einer Notoperation wurden der 29-Jährigen im März zwei Blutgerinsel entfernt. „Hätte man es zwei Tage später entdeckt, wäre es vielleicht zu spät gewesen“, sagte sie, „ich lag bildlich gesprochen auf dem Sterbebett meiner Karriere und meines Lebens.“

Mit 13 Grand-Slam-Titeln hat Serena Williams niemandem mehr etwas zu beweisen, doch ihr Wille macht sie auch in Wimbledon zur meistgefürchteten Gegnerin. Ungeachtet ihrer mangelnden Matchpraxis oder ihres konditionellen Rückstandes. Schon oft wähnten die Konkurrentinnen die Williams-Schwestern nicht in Topform und wurden eines Besseren belehrt. „Ich spüre, dass ich alles will und alles gewinnen will“, betonte Serena Williams, „ich bin jedenfalls nicht zurückgekommen, um zu verlieren.“

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