Wimbledon : Tragisch statt magisch: Federer unterliegt Berdych

Roger Federer unterliegt dem Tschechen Thomas Berdych im Viertelfinale von Wimbledon. Nun sehnt sich der sechsfache Champion nach einer Pause.

Petra Philippsen
Müde, Rückenschmerzen, Probleme mit dem rechten Bein. Roger Federer sagt, er braucht eine Pause.
Müde, Rückenschmerzen, Probleme mit dem rechten Bein. Roger Federer sagt, er braucht eine Pause.Foto: dpa

London - Titelverteidiger Roger Federer ist nach einem Holperstart nie richtig in Fahrt gekommen und im Viertelfinale der All England Championships ausgeschieden. Ausgerechnet Tomas Berdych machte den Traum des 16-maligen Grand-Slam-Rekordchampions mit einem 6:4, 3:6, 6:1, 6:4-Erfolg zunichte, mit dem siebten Wimbledon-Triumph mit dem legendären Rasen-König Pete Sampras gleichzuziehen. Jener Tomas Berdych aus Tschechien, der ihm schon 2004 einen großen Traum verdorben hatte, als er ihn bei Olympia in Athen aus dem Wettbewerb warf.´

„Das war ein frustrierendes Match“, sagte Federer. Als Berdych seinen zweiten Matchball mit einem genauen Passierball vollendete, senkte er den Kopf, gratulierte kurz und verabschiedete sich mit einem kurzen Gruß an die 14 971 Zuschauer so früh wie zuletzt 2002 aus Wimbledon. „Ich konnte nicht so spielen, wie ich wollte. Der Rücken hat geschmerzt und auch die Beine taten weh. Ich brauche dringend eine Pause“, meinte Federer später und zog seine weiße Baseballmütze noch tiefer ins Gesicht. Er hatte seine Magie schon zu Beginn des Turniers verloren, als er gegen den Kolumbianer Alejandro Falle erstmals einen 0:2-Satzrückstand aufholen musste.

Dabei war der ungewöhnlich unsicher und ungenau spielende Federer gewarnt gewesen. Schließlich hatte Berdych die Serie von acht verlorenen Partien am Stück erst vor drei Monaten in Miami durchbrochen. „Aber wenn man nicht frei spielen kann, klappt vieles eben nicht“, meinte der Verlierer, der nun zwei Wochen Urlaub macht, bevor es auf der US-Hartplatztour weitergeht. Dann soll die Verletzung, die ihm schon in Halle zu schaffen gemacht habe, auskuriert sein.

Selbst Berdych kann es kaum fassen

Berdych bestätigte seine Topform. Schon in Roland Garros hatte er erstmals den Einzug in ein Grand-Slam-Halbfinale geschafft – so wie jetzt in Wimbledon als erster Tscheche seit Ivan Lendl 1990. „So schwer war es noch nie, ein Match zu beenden“, sagte Berdych, der überwältigt fortfuhr: „Es war unheimlich toll in diesem Stadion zu spielen, gegen diesen Spieler und auch noch zu gewinnen.“ Triumphierend ballte er die Faust nach dem größten Sieg seiner Karriere, dem nun ein Erfolg gegen Novak Djokovic folgen soll. Der Serbe, der 2008 in Australien seinen bislang einzigen Major-Titel geholt hat, setzte sich auf dem kleinen Center Court mit 6:3, 6:2, 6:2 gegen Yen-Hsun Lu aus Taiwan durch. Der Schützling von Schüttler-Trainer Dirk Hordorff hatte im Achtelfinale den amerikanischen Vorjahres-Finalisten Andy Roddick ausgeschaltet, konnte an seine gute Leistung aber nicht anknüpfen.

Roger Federer verschwand derweil in den Katakomben des Center Courts und schlich enttäuscht in die Umkleide. Vorbei an den Siegerfotos der vergangenen Jahre, die wie eine zusätzliche Demütigung auf ihn gewirkt haben mögen. (dpa)

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