Sport : Wind und Wasser gut

Die Leichtathleten erleben in Helsinki die feuchteste Weltmeisterschaft aller Zeiten

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Helsinki. Es ist erst ein paar Tage her, als die Wettervorhersage im Internet ab Dienstag Sonnenschein bei einer gefühlten Temperatur von 26 Grad versprochen hatte. Und tatsächlich: Am Dienstagmorgen war es in Helsinki sonnig und warm, weshalb das Stadion am Vormittag mit 33500 Zuschauern zum ersten Mal ausverkauft war – was freilich auch damit zu tun hatte, dass der finnische GoldAspirant Tero Pitkämäki im Speerwerfen seinen Vorkampf absolvierte. Er enttäuschte nicht und qualifizierte sich für das Finale.

Das Wetter aber spielte fortan nicht mehr mit. Pünktlich zum Beginn der Abendwettkämpfe entlud sich ein Gewitterguss über dem Olympiastadion wie man ihn bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften noch nie erlebt hat. Das Diskuswurf-Finale der Frauen, die 100-Meter-Hürden-Vorläufe und der Hochsprung der Zehnkämpfer mussten abgebrochen werden, weil sich Wassermassen aus dem Himmel über das Stadion ergossen. Fast zwei Stunden dauerte es, bis die Hürdenläufe fortgesetzt werden konnten. Trotz der widrigen Bedingungen blieb Kirsten Bolm (Mannheim) mit 12,68 Sekunden nur neun Hundertstelsekunden über ihrer Bestzeit. Es war nass und rutschig, aber nicht kalt. Der Wassergraben für den 3000-Meter-Hindernislauf lief über und musste entleert werden. Feuchtigkeit und einige Blitze ließen das Fernsehbild zeitweilig ausfallen.

Es blieb spektakulär: Kurz nachdem die Regenfälle erneut begonnen hatten, rannte der 22-jährige Bershawn Jackson über 400-Meter-Hürden zu einer persönlichen Bestzeit von 47,30 Sekunden. Damit ist er achtschnellster Läufer aller Zeiten über diese Distanz. Wer bei diesen Bedingungen eine derartige Zeit läuft, müsste das Leistungsvermögen haben, um bei normalem Wetter als zweiter Athlet nach Weltrekordler Kevin Young (USA/46,78) unter 47 Sekunden laufen zu können. „Ich hatte mir vorgenommen, meine ganze Kraft auf der Bahn zu lassen und nichts davon mit zurück ins Hotel zu nehmen“, sagte Bershawn Jackson. „Wenn er sich noch ein wenig verbessern kann bis zum nächsten Jahr, dann wird er unter 47 Sekunden laufen“, sagte sein Trainer George Williams.

Der ohnehin angeschlagene Titelverteidiger Felix Sanchez (Dominikanische Republik) war an der ersten Hürde mit einer Oberschenkelzerrung ausgeschieden. Und während der heftigen Regenfälle fiel ein weiterer Star vergangener Jahre: Maria Mutola aus Mosambik, die in ihrer Karriere insgesamt neun WM-Titel gewann und im Jahr 2000 Olympiasiegerin war, blieb im 800-Meter-Finale als Vierte ohne Medaille. Auch dieses Regenrennen endete mit einer Überraschung. Während durch den Wind das Wasser auch in Laptops, Monitore und Steckdosen auf der eigentlich überdachten Pressetribüne hineinspülte, lief die Kubanerin Zulia Calatayud zur Goldmedaille in 1:58,82 Minuten. Zu einem 40-minütigen Schläfchen in den Katakomben des Olympiastadions hatte der 3000-Meter-Hindernisläufer Said Saaeed Shaheen die Regenpause genutzt. Danach verteidigte der aus Kenia stammende und seit zwei Jahren für Katar laufende Weltrekordler souverän seinen Titel gegen die kenianische Konkurrenz. Über 5000 Meter möchte er allerdings nicht im Regen von Helsinki an den Start gehen. „ Ich spare mir jetzt lieber meine Kräfte für einen Weltrekordversuch beim Meeting in Brüssel auf.“

Inzwischen gibt es auch eine neue Wettervorhersage für die feuchtesten Weltmeisterschaften der Leichtathletik-Geschichte. Auf der Internetseite des finnischen Außenministeriums heißt es: am Sonnabend und Sonntag könnte die Sonne scheinen.

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