Sport : Wind von der Bank

Trainer Röber macht in Wolfsburg wenig neu, aber alles temperamentvoller

André Görke

Wolfsburg. Was die Stärke des Jürgen Röber ist? „Es ist wohl die, dass ich jeden Spieler etwas besser gemacht habe.“ Diesen Satz hat Röber einmal gesagt, als er noch Trainer bei Hertha BSC war und um eine Selbstseinschätzung gebeten wurde. Viele mussten bei diesen Worten lächeln. Ja, er habe jeden Spieler etwas besser gemacht – nur halt nicht so gut, dass alle zusammen seinen Arbeitsplatz hätten retten können. Röber war vor etwas mehr als einem Jahr in Berlin entlassen worden, und seitdem haftete an ihm das Etikett, eben doch nur ein etwas besserer Trainer zu sein. Mehr nicht.

Es war am späten Samstagnachmittag, als Röbers Worte ein bisschen an Bedeutung gewannen. Sein neuer Arbeitgeber, der VfL Wolfsburg, hatte gerade Energie Cottbus 3:2 geschlagen – für Röber war es eine gelungene Rückkehr ins Trainergeschäft. Unten, vor der Kabinentür, stand Wolfsburgs Spielmacher Dorinel Munteanu und sprach von einer „neuen Theorie“, die der Trainer den Spielern in den fünf Tagen seit seinem Amtsantritt eingeimpft hätte. Wie diese aussehe? „Ich kann es gar nicht so genau sagen, es ist so etwas wie positive Energie.“

An der Personalie Munteanu ist die Arbeit Röbers ganz gut zu beschreiben. Der Wolfsburger Spielmacher wurde in den vergangenen Monaten vom ehemaligen Trainer Wolfgang Wolf oft kritisiert und verlor immer mehr die Lust an seinem Job. Ähnlich unmotiviert spielte zuletzt auch Roy Präger. Gegen Cottbus aber zeigten beide eine überaus gute Leistung. Röber hatte viel mit den beiden gesprochen, dabei aber nicht auf ihren Schwächen herumgehackt, sondern ihre wichtige Rolle auf dem Platz hervorgehoben. Munteanu sagt: „Wir haben dem Trainer gezeigt, dass er sich auf jeden einzelnen Spieler verlassen kann – und nicht immer nur auf die ersten elf. Röber schenkt uns Vertrauen.“

Der Trainerwechsel scheint der Stimmung im Team gut getan zu haben. Röbers Vorgänger Wolf galt als nüchtern, ruhig, fast schon dröge. Röber lebt den Spielern jetzt das Gegenteil vor, in jeder Trainingseinheit, bei jedem Termin. Die Mannschaft lässt sich von seinem Temperament mitreißen. „Er hat gesagt, wir müssen offensiver spielen“, sagt Stürmer Tomislav Maric. „Endlich hat wieder jeder für den anderen gekämpft. Das haben wir zuletzt vermissen lassen.“

Für die Wolfsburger war es der erste Sieg nach fünf Spielen – „jetzt wollen wir versuchen, nach oben zu klettern“, sagt Munteanu. Sehr weit nach oben wird der VfL in dieser Saison wohl nicht mehr kommen, dafür haben sich in den vergangenen Monaten zu viele andere Teams vor die Wolfsburger geschoben. Und das Spiel am Samstag gegen Energie Cottbus sollte ohnehin nicht der Maßstab sein. Die Lausitzer spielten äußerst schwach.

Nur Pablo Thiam, der Wolfsburger Manndecker, sagte nach dem Abpfiff: „Es ist bitter, dass man so eine Leistung erst bringt, wenn der Trainer rausgeworfen wurde.“ Was Jürgen Röber aus seiner Sicht anders mache? „Eigentlich hat er doch gar nichts groß verändert.“ Vielleicht hat es Thiam einfach nicht mitbekommen, aber gemessen an seinen bisherigen Leistungen, hat auch er durchaus gut gespielt. Jürgen Röber wird daran einen gewissen Anteil haben.

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