Winter Derby in der DEL2 : Volksfest mit Eishockey-Einlage

Die Eishockey-Zweitligisten Dresdner Eislöwen und Lausitzer Füchse bestreiten vor 31.853 Zuschauern ein Freiluftspiel im Fußballstadion, das die Gastgeber 4:3 nach Verlängerung gewinnen.

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Beim Winter Derby in zwischen den Eislöwen Dresden und den Lausitzer Füchsen war das Drumherum fast wichtiger als der Sport.
Beim Winter Derby in zwischen den Eislöwen Dresden und den Lausitzer Füchsen war das Drumherum fast wichtiger als der Sport.Foto: dpa

Wenn der Sachse singt und springt, dann wird es laut. „Gib mit ein H! Gib mir ein U!“ und so weiter krächzte es aus den Lautsprechern in der Fußballarena von Dresden. Und das Publikum klatschte und schrie begeistert mit: „Humba Humba Täterä.“ Irgendwie nicht von dieser Welt, aber irgendwie irre sympathisch. So laut wie am Sonnabend in Dresden waren 31.853 Menschen wohl eher selten. Dabei gab es doch nur ein Eishockeyspiel zu sehen, abseits aller Musik: die 64. Auflage des sächsischen Derbys. Genauer gesagt, ein Zweitligaspiel zwischen den Eislöwen Dresden und den Lausitzer Füchsen aus Weißwasser. Das als „Winter Derby“ etikettierte Freiluft- und Flutlichtspiel im ausverkauften Stadion war ein Prestigeerfolg für das sächsische Eishockey, ein 4:3 (1:0, 1:1, 1:1/1:0)-Sieg für die Eislöwen und eine klare Niederlage für Stanislaw Rudi Tillich (CDU). Als der sächsische Ministerpräsident im zweiten Drittel das Stadion betrat, wurde dies nicht von euphorischen „Rudi-Rudi“-Rufen vom Volk begleitet, sondern mit einem 1-A-Pfeifkonzert. Da hatte andere Prominenz mehr Freude. So etwa Karat-Gitarrist Bernd Römer, als er vor dem Spiel die Nationalhymne schrammelte oder die Band Glasperlenspiel, die in der zweiten Pause aufspielte und allen Anwesenden noch „ein geiles Leben“ wünschte.

Das Wetter spielte mit. Die Temperaturen in Dresden lagen am Samstag knapp über dem Gefrierpunkt. Es regnete nicht. Wobei: Blitzeis hätte die Protagonisten in der Arena Dresden wohl auch nicht schockieren können. Obwohl das beim Eishockey schon lästig ist, wenn das Visier beschlägt und der Puck auf dem Eis klebt. Nicht zuletzt daher hat sich dieser Sport auf hoher Ebene längst von äußerer Witterung emanzipiert. Umso schöner, wenn mal nicht in einer wohltemperierten Arena gespielt wird, sondern es noch nach Eishockey riecht. So wie am Sonnabend im Fußballstadion von Dresden.

Dabei war das Spiel tatsächlich die Hauptattraktion für die Zuschauer, von denen eine Minderheit über angelegte Devotionalien als Anhänger der Eislöwen Dresden zu erkennen war. Aber immerhin besetzten die harten Fans des Gastgebers, Ligaschnitt 2500 Zuschauer pro Spiel, eine Kurve. Viele Zuschauer kamen in zivil, viele Fans aus dem gesamtem Bundesgebiet. Auch aus Berlin. Womöglich, weil mit Kai Wissmann, Vladislav Filin und Torwart Marvin Cüpper (war nur Ersatz) auch drei junge Spieler der Eisbären im Aufgebot der Eislöwen waren. Der Zweitligist hat ja – noch – einen Kooperationsvertrag mit dem Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Bei den Dresdnern standen drei Eisbären-Spieler im Aufgebot

In der DEL gibt es in dieser Saison kein vergleichbares Event. Nach Nürnberg (2012) und Düsseldorf (2014) soll es erst kommendes Jahr wieder ein „Winter Game“ geben, nach Lage der Dinge womöglich im Berliner Olympiastadion. Das würde Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL, bestimmt freuen. Am Sonnabend war er auch beim Spiel in Dresden und sagte auf die Frage, ob es nicht schön wäre, wenn in der DEL auch ein Klub aus dem Osten spielen würde: „Wieso? Wir haben doch schon einen Klub aus dem Osten.“ Damit meinte Tripcke die Eisbären Berlin.

Bis andere Ost-Klubs so groß werden wie die zum Imperium der Anschutz-Gruppe aus den USA gehörenden Berliner, dürfte es wohl noch eine Weile und einige Großsponsoren brauchen. Immerhin, das Spiel am Sonnabend war ein sehr gelungenes Lebenszeichen des sächsischen Eishockeys. Gut, so ein Volksfest mit Feuerwerk, Trommeleinlagen um das Eisrund in der Mitte herum und dem auch in Spielpausen dröhnenden Gassenhauern hätte es in Dresden auch beim Biathlon geben können – aber nur vielleicht. Als Dresden nach wenigen Minuten das erste Tor schoss, bebte das Stadion.

Der Sport war nicht zweitrangig, aber zweitklassig, und das spiegelte sich auch auf den Trainerbänken wider. Die beiden kanadischen Haudegen Bill Stewart (Dresden) und Paul Gardner (Weißwasser) haben schon bessere Zeiten und vor allem höhere Ligen erlebt. Beide Cheftrainer kamen erst vor wenigen Tagen zu neuen Arbeitgebern. Glück gehabt, dass sie gleich bei so einem Spiel dabei sein durften. Stewart fand: „Ein solches Event ist einfach einzigartig. Es wird eine Erinnerung, die uns unser Leben begleiten wird.“

Mag sein, beim Humba-Humba-Täterä war Stewart ja auch noch mit seinen Spielern in der Umkleidekabine des Dresdner Stadions – das natürlich einen europaweiten Zuschauerrekord für ein Zweitligaspiel im Eishockey erlebte.

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