Winter-WM in Katar : Das Ende aller Gewohnheiten

Eine Fußballweltmeisterschaft bei frostigen Temperaturen? Unser Autor stimmt die Fans in Nordeuropa auf eine Winter-WM ein. Ein Kommentar.

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Bewerbung für den Sommer. Katar erhielt den Vorzug vor den USA, Australien, Japan und Südkorea. Foto: dpa
Bewerbung für den Sommer. Katar erhielt den Vorzug vor den USA, Australien, Japan und Südkorea.Foto: dpa

Neunzehn Weltmeisterschaften hat der Fußball-Weltverband Fifa bisher ausgetragen, alle im Sommer. Mit dieser Tradition soll 2022 in Katar Schluss sein und mit ihr auch ein Ende aller Gewohnheiten einhergehen. Zumindest was Europa und dort vor allem den Norden angeht. Von gewissen Dingen, die viele Fans liebgewonnen haben, müssen sie sich gedanklich schon verabschieden. Feiernde Menschenmassen beim Public-Viewing auf den Fanmeilen? Schwer vorstellbar bei möglichen Minusgraden im Januar. Gemütliches Zusammensitzen im Biergarten? Siehe Fanmeile. Für Nordeuropas Gastronomen ist eine mögliche Winter-WM ein Desaster, aber wenn es irgendeine Gruppe gibt, die der Fifa völlig egal ist, dann sind es Nordeuropas Gastronomen. Längst hat sich die Gewichtung der Märkte nach Südamerika und Asien verschoben.

Ähnlich wenig dürften den Weltverband die Sorgen der nationalen Verbände auf dem alten Kontinent interessieren. Die Bundesliga wird eine gewaltige Verzerrung ihres Spielplans erleben. Mindestens acht Wochen Winterpause werden aufgrund der WM anfallen. Was das Turnier sportlich für Auswirkungen auf den Ligabetrieb haben könnte, lässt sich am Beispiel des Afrika-Cups schon erahnen. Der findet alle zwei Jahre im Januar statt, viele Spieler kommen anschließend völlig ausgelaugt zurück und brauchen Wochen, um sich zu erholen. Wenn die nationalen Ligen und die europäischen Klubwettbewerbe in ihre entscheidende Phase gehen, werden viele Spieler zu kaputt sein, um noch Topleistungen abliefern zu können. So war es in der jüngeren Vergangenheit bei Weltmeisterschaften zu sehen.

Nun profitiert das Turnier der weltbesten Fußballnationen sportlich von der Verlegung in den Winter. Die Spieler können in bester körperlicher Verfassung zu ihren Nationalteams reisen, die Spiele gewinnen an Wert und Niveau. Das ist eine gute Nachricht. Selbst für die Fans in Nordeuropa.

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