Sport : Winterliches Sommertheater

Claus Vetter

Die Berlin Capitals sind die Überraschungsmannschaft der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach dem Sommertheater um die Lizenzerteilung und die Rettung in letzter Minute kämpfen die als Abstiegskandidat gehandelten Berliner völlig überraschend um den Einzug in die Play-offs mit. Die Klubleitung hält da nicht mit. Wie im vergangenen Jahr stecken die Capitals in der Bredouille. Die Gehaltszahlungen stocken.

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Die Angestellten auf der Geschäftsstelle sollen zum Teil schon seit einem Monat nicht bezahlt worden sein. Die Spieler bekamen das November-Gehalt mit einwöchiger Verspätung, das Salär für Dezember steht noch aus. Das allein ist noch kein Grund zur Sorge, zumal die Capitals Mitte Januar von einem Sponsor einen hohen Geldbetrag bekommen sollen. Das bestätigt der Klub - inoffiziell. In den kommenden Tagen sollen die Gehälter überwiesen werden. Dennoch sorgen sich die Spieler. "Es liegt doch auf der Hand, dass der Verein Probleme hat", sagt ein Profi, der anonym bleiben will. "Unsere Spieler aus dem Nachwuchs sind schon länger nicht bezahlt worden, unsere Betreuer auch nicht. Alle sind beunruhigt. Die Strukturen im Klub sind für uns nicht erkennbar, keiner sagt uns, was los ist."

Zuletzt lagen die Nerven bei den Spielern ohnehin schon blank. Auf dem Rückweg von der Auswärtsfahrt nach Oberhausen am 18. Dezember gerieten der Russe Ewgeny Dawydow und der Kanadier Greg Andrusak aneinander, angeblich wegen einer Nichtigkeit. "Wir haben uns wieder vertragen", sagt Andrusak. Er wollte die Capitals wegen der sich abzeichnenden finanziellen Probleme schon verlassen. Eine Klausel im Vertrag des Kanadiers ermöglicht ihm einen Vereinswechsel, wenn der Arbeitgeber mit dem Gehalt mehr als drei Werktage im Verzug ist. "Dies war im Dezember der Fall", sagt Andrusak. "Aber die Freigabe habe ich dennoch nicht bekommen." Stattdessen geriet er nach seinem Auftritt am Sonntag in München, wo die Capitals mit nur 13 Feldspielern ohnehin dünn besetzt waren, in die Kritik. Andrusak hatte wenige Minuten nach Spielbeginn eine Spieldauerstrafe provoziert. "Das war unprofessionell von mir", sagt Andrusak, "aber die Situation war für uns nicht einfach, der Auftritt in München war für uns alle peinlich." Schließlich hatten die Capitals zuvor wegen 16 angeblich verletzter oder kranker Spieler eine Verlegung der Partie beantragt. Nun mehren sich die Gerüchte, dass der Krankenstand keineswegs so hoch war, wie offiziell angegeben. "Einige, die gesund waren, sind gar nicht erst gefragt worden, ob sie mit nach München fahren wollen", heißt es. Wollte die Klubleitung mit diesem Manöver eine sich abzeichnende Niederlage umgehen?

Die Stimmung ist angespannt. "In der Kabine unterhalten wir uns jeden Tag darüber, dass kein Geld kommt", sagt ein Spieler. Vergeblich habe sich die Mannschaft um Aufklärung bemüht. Geschäftsführer Reinhard Hoffmann und Generalmanager Andreas Hahn sind im Urlaub und dort auch telefonisch für die Spieler nicht zu erreichen. Indirekt wird vor dem Auswärtsspiel am Freitag in Köln schon mit Arbeitsverweigerung gedroht. "Unsere Leistung kann auch davon abhängen, ob bis dahin endlich jemand mit uns geredet hat", sagt ein Profi. "Und davon, ob sich auf unseren Konten etwas bewegt hat."

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