Winterspiele : Olympia-Bewerbung: Meine Wiese gehört mir

Olympische Winterspiele in München – das ist eine Geschichte voller Verheißungen und unzähliger Pleiten. 59 Bauern geben ihre Felder definitiv nicht her – die Olympiabewerbung gerät ins Schlingern.

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Wo springen sie denn? Dass Athleten bei Olympia 2018 in Partenkirchen über die Schanze rutschen, wird unwahrscheinlicher.
Wo springen sie denn? Dass Athleten bei Olympia 2018 in Partenkirchen über die Schanze rutschen, wird unwahrscheinlicher.Foto: dpa

Die Absage kommt ebenso unerwartet wie unmissverständlich: 59 Landwirte und Grundstücksbesitzer aus Garmisch-Partenkirchen teilen Bayerns Staatsregierung mit, dass sie ihre Flächen definitiv nicht für die Olympischen Winterspiele 2018 zur Verfügung stellen. Für ihren Rechtsanwalt Ludwig Seitz ist klar: „Ohne diese Grundstücke ist eine Olympia-Bewerbung nicht möglich.“ Die widerspenstigen Bauern setzen CSU-Staatskanzleichef und Verhandlungsführer Siegfried Schneider gar ein Ultimatum: Bis 22. Dezember soll die Bewerbung zurückgenommen werden – ansonsten werde man dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne selbst mitteilen, dass die Vorhaben für München und Oberbayern hinfällig seien. Denn geplant werde weiterhin unverdrossen auf fremdem Grund und Boden.

Wie es zu dieser Absage kommen konnte, darüber wird Stillschweigen gewahrt. Die Rede ist aber immer wieder davon, dass sich die Bauern von Anfang an missachtet gefühlt haben, dass die Olympia-Bewerbungsgesellschaft ihre Wiesen verplant hat, ohne erst einmal mit ihnen zu sprechen. Offenkundig hat sich Siegfried Schneider als Abgesandter von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lange vom Wunschdenken leiten lassen. Noch Ende September hatte er verkündet, dass er die Flächen im Wesentlichen beisammen habe für eine abgespeckte Olympia-Version.

Olympia in München – das ist eine Geschichte voller Verheißungen und unzähliger Pleiten. München wäre weltweit die erste Stadt überhaupt, die nach den Sommerspielen 1972 auch Winterspiele austragen würde. Da die Isar-Metropole aber keine Berge zu bieten hat, wurden die oberbayerischen Skigebiete in die Bewerbung mit einbezogen. Die Eiswettbewerbe sollen in München stattfinden, Skirennen in Garmisch-Partenkirchen, Rodeln in Schönau am Königssee.

Den ersten Tiefschlag gab es schon Anfang Juli, als das für den Langlauf eingeplante Oberammergau nach Bürgerprotesten verzichtete. Der Langlauf ist nun in ein staatliches Gestüt verlegt, 30 Kilometer nordöstlich von Garmisch.

Dann kam im Sommer der Aufstand der Garmischer Landwirte, vom „Bauernkrieg“ war die Rede. Der als herrisch bekannte Bürgermeister Thomas Schmid wähnte den Ort schon im Glanze vieler großer Neubauten. Mit den Bauern redete er nicht. Ebenso wenig wie der Modeunternehmer Willy Bogner, der zu dieser Zeit an der Spitze der Olympia-Bewerbungsgesellschaft stand. Mittlerweile ist Bogner aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. „Der Bogner hat’s verbockt“, ist oft zu hören.

Weil nichts mehr voranging, schaltete sich die Staatsregierung persönlich ein. Deren Emissär Siegfried Schneider fuhr wochenlang die A 95 von München nach Garmisch-Partenkirchen hin und her. Er sammelte die bedeutenden Vereinsvorsitzenden um sich, im Hinterzimmer wurde das Garmischer Konzept umgepflügt. Die Grünflächen um den Ort sollten nicht geopfert werden, sondern bleiben. Auf Prestigebauten wie ein Kongresszentrum oder neue Hotels wurde verzichtet, stattdessen sollten veraltete Anlagen umweltfreundlich saniert werden.

Siegfried Schneider sollte den Durchbruch schaffen. So lobte ihn auch Ministerpräsident Seehofer. Nun allerdings fällt alles auf die Staatskanzlei zurück. „Schneider hat die Lage schöngeredet“, verkünden die Grünen im Landtag.

Unklarheit ist noch, wie wichtig die betroffenen Grundstücke für die Bewerbung sind. Alle liegen im innersten Bereich, verkündet Anwalt Seitz, also in dem Gebiet, welches das IOC aus Sicherheitsgründen einzäunen lassen will. Schneider hingegen spricht nur von einer „Handvoll Grundstücke“, die überhaupt von Bedeutung seien. Schneider gibt sich gelassen; wenn man die Grundstücke nicht bekomme, könne man umplanen.

Aber wie oft noch? Schließlich müssen die Bewerbungsunterlagen am 11. Januar 2011 in Lausanne vorgelegt werden.

Zur Not könnte Bayern auch noch auf Hilfe vom Nachbarn Österreich zurückgreifen. Tirol hat mit seiner Metropole Innsbruck angeboten, die Skiläufe dort abzuhalten, die Stadt wäre dafür bestens ausgestattet. Aber ausgerechnet Österreich als Retter der deutschen Bewerbung? Himmel hilf! Da graust’s echten Bayern ganz fürchterlich.

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