Wintersport : Ein Winter zum Vergessen

Die Biathleten beschließen eine enttäuschende Saison und wollen nun an der mentalen Stärke arbeiten.

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Eine lacht. Laura Dahlmeier gehört zu den Lichtblicken der Saison. Foto: AFP Foto: AFP
Eine lacht. Laura Dahlmeier gehört zu den Lichtblicken der Saison. Foto: AFPFoto: AFP

Am Montag hatte es Mark Kirchner endlich geschafft. Mit einer Chartermaschine ging es für den Trainer der deutschen Biathleten und sein Team über den Ural zurück in die Heimat. Doch gerade für Kirchner bedeutete das Ende eines langen Winters zugleich den Beginn einer beschwerlichen Fehleranalyse. Nach einer Saison, in der die Männer des Deutschen Ski-Verbands (DSV) ihre Kolleginnen eigentlich kräftig stützen sollten, bei dieser Aufgabe aber unerwartet oft einknickten.

Das letzte Weltcuprennen im sibirischen Chanty-Mansijsk war das Spiegelbild eines Winters, dessen größter Vorteil es war, nur der vorolympische gewesen zu sein: So lautete die Vorgabe beim finalen Massenstart, einer der deutschen Skijäger möge es unter die ersten sechs schaffen. Heraus sprangen im 30er-Feld die Plätze 18, 20, 27 und 28 – ein abschließendes Debakel für ein Team, das mit großen Erwartungen in den Weltcup gestartet war, bei aller vorhandenen Breite aber die Spitze vermissen ließ.

Der größte Erfolg war eine Silbermedaille

Bei der WM in Nove Mesto reichte es so nur zu Staffelbronze, die einzige deutsche Einzelmedaille in Tschechien fuhr Team-Oldie Andrea Henkel (35 Jahre) mit Silber über 15 Kilometer ein. Bezeichnenderweise sorgte also die Athletin, die sich wegen ihrer Liaison mit dem US-Biathleten Tim Burke in der Vorbereitung am seltensten in der Heimat aufgehalten hatte, für den größten Erfolg.

Dabei bewiesen Gerald Hönig und Ricco Groß, das Trainergespann bei den Frauen, in ihrer schwierigen Lage immerhin Mut und Konsequenz: Weil sich trotz umfangreicher Testläufe mit Kandidatinnen aus der zweiten Reihe hinter Henkel und der schnellen, doch am Schießstand gewohnt wankelmütigen Miriam Gössner keine aufdrängte, zogen sie vor der WM einen dicken Strich: Die formschwache Tina Bachmann, eigentlich als dritte Kraft im Team gedacht, fiel aus dem Kader. Dafür durfte die dreifache Juniorenweltmeisterin Laura Dahlmeier mit nach Mähren.

Eine Neuentdeckung gab es bei den Männern: Erik Lesser

Dort überzeugte die WM-Debütantin mit einem unbeschwerten Auftritt in der Staffel und unterfütterte ihr Image als Hoffnungsträgerin auch bei den drei Weltcups im März, als die 19-Jährige bei sieben Einzelstarts fünf Mal in die Top Ten lief. „Eine wahnsinnige Saison, mit der ich nie gerechnet hätte“, sagte Dahlmeier. Für Bundestrainer Hönig steht fest: „Sie kann eine Säule dieser Mannschaft werden.“

Eine Neuentdeckung gab es auch bei den Männern – mit dem 24-jährigen Erik Lesser. Den letzten Winter verbrachte der Thüringer noch überwiegend im zweitklassigen IBU-Cup, nun war er bester DSV-Mann bei der WM – und ist neben Andreas Birnbacher der einzige deutsche Skijäger, der es in dieser Weltcuprunde aufs Podest geschafft hat.

Am Ende verließen aber auch Lesser Kraft und Konzentration, so dass Bundestrainer Kirchner mit Blick auf Olympia nun von allen Beteiligten verschärfte Anstrengungen einfordert: „Es steckt viel Potenzial in der Mannschaft. Aber jeder muss sich noch ein Stück weiterentwickeln.“ Wobei ein Bereich beim Training für Sotschi 2014 besonders in den Fokus rücken wird: die mentale Fitness.

Schließlich gilt der historisch schwache Auftritt in Nove Mesto für den DSV auch als die WM der verpassten Chancen: Immer, wenn es drauf ankam, versagten einem Mann oder einer Frau die Nerven. „Wir werden uns Gedanken machen, wie wir mit dieser Sache in Zukunft besser umgehen können“, sagte Sportdirektor Thomas Pfüller. Eine gute Ansprechpartnerin in „dieser Sache“ wäre jedenfalls die vor einem Jahr zurückgetretene Magdalena Neuner. Hat die berühmteste Frührentnerin der Biathleten ihre opulente Medaillensammlung doch nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer zu verdanken.

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