Wintersport : Maria Riesch: Neue Liebe

Maria Riesch fährt in ihrer Problemdisziplin Riesenslalom erstmals aufs Podium.

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Ankunft in Maribor. Als Zweitplatzierte hatte Maria Riesch Grund zum Jubeln. Nur die Österreicherin Kathrin Zettel landete noch...X00396

„Lindsey, we love you“, brüllte der Stadionsprecher im Zielbereich. War ja nett gemeint, aber das nützte Lindsey Vonn nun auch nichts mehr. Sie lag flach auf der harten Piste von Maribor und knallte wütend einen Skistock auf den Boden. Ausgeschieden im zweiten Durchgang beim Weltcup-Riesenslalom, ausgerechnet jetzt, als Zweitplatzierte nach dem ersten Lauf.

Unten im Zielbereich starrte Maria Riesch nach oben, die US-Amerikanerin Vonn ist ihre beste Freundin im Weltcup-Zirkus, aber jetzt hatte sie die große Chance, diesen Riesenslalom zu gewinnen. Sie lag in dieser Sekunde immer noch in Führung. Nur noch Kathrin Zettel stand oben, die Österreicherin, die Beste nach dem ersten Lauf. Zettel schied nicht aus, sie gewann das Rennen vor Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen. Aber die brüllte: „Das ist ein Hammertag.“

Für die Deutschen, das stimmt. Kathrin Hölzl, die Riesenslalom-Weltmeisterin, wurde Vierte hinter der Schwedin Anja Pärson, Viktoria Rebensburg Achte, und die junge Lena Dürr fuhr überraschend auf Rang neun vor.

Aber bei „Hammertag“ dachte Maria Riesch vor allem an sich. Zum ersten Mal landete sie im Riesenslalom auf dem Podium. Vierte war der Slalom- und Speed-Star mal geworden, das war ihr bisher bestes Resultat im Riesenslalom. In Maribor war das – vor fünf Jahren. Dreimal erst hatte es Maria Riesch bis gestern überhaupt unter die Top Ten geschafft. Ein Top-Riesenslalomergebnis und Maria Riesch – irgendwie schwer vorstellbar.

Eine reine Kopfsache. Im Rennen fährt meist Maria Riesch, die Nervöse. Die Frau, die verkrampft. Die Frau, die mit Gewalt ihre Trainingsergebnisse im Weltcup umsetzen will. Im Training ist Maria Riesch oft genug eine sehr gute Riesenslalomfahrerin. „Sie kann es ja, das zeigt sie doch immer wieder“, sagt Mathias Berthold, der deutsche Frauen-Cheftrainer. Im Test vor dem Rennen in Lienz war Maria Riesch nur eine halbe Sekunde hinter der Riesenslalom-Weltmeisterin Hölzl gelandet. Aber im Rennen verkantete sie und fuhr an einem Tor vorbei. Wieder mal ein Rennen verpatzt. „Sie hat nicht an sich geglaubt, das ist das Problem“, sagt Berthold in Maribor.

Kathrin Hölzl teilt mit der Slalom-Weltmeisterin das Hotelzimmer, sie erlebt den Frust der Maria Riesch. „Die regt sich fürchterlich auf, wenn sie im Rennen mal wieder gepatzt hat. Sie hat keine Erklärung dafür. Aber sie steigert sich dann so rein, dass sie noch verkrampfter fährt.“

Und was war jetzt anders? Die Piste kam Maria Riesch erst mal entgegen. Im oberen, eher flachen Teil fährt man fast nur in der Hocke, das ist ein Vorteil für eine exzellente Speedfahrerin wie Riesch. Deshalb war sie nach dem ersten Durchgang auch schon auf Rang vier gefahren. „Im oberen Teil war ich gut dabei“, sagt die 24-Jährige. Wenig überraschend, dass die überragende Abfahrerin Lindsey Vonn nach dem ersten Durchgang auf dem zweiten Platz lag.

Aber was bedeutet schon ein guter erster Durchgang? Riesch war schon mehrfach nach dem ersten Lauf gut platziert. Dann schied sie doch aus. Deshalb schickte sie in Maribor vor dem zweiten Lauf ein Gebet zum Himmel: „Bitte, lass es diesmal nicht wieder schiefgehen.“ Im Lauf selber dann achtete sie ganz bewusst auf ihre Technik, das macht sie überaus selten.

Fragt sich, wie gut Maria Riesch in nächster Zeit dabei ist im Riesenslalom. Maribor ist erst mal ein einmaliges Ereignis. Niemand weiß, ob die 24-Jährige plötzlich ungeahnte Nervenstärke in ihrer problematischen Disziplin entwickelt. Eher nicht. „Der Berg hat mir gelegen, ich fühle mich in Maribor grundsätzlich gut“, sagte sie. „Aber das bedeutet nicht, dass ich jetzt auf jeder Piste auf das Podium fahre.“ Irgendwann fiel bei den Journalisten sogar das Stichwort Olympiafavoritin. Im Riesenslalom! Da war Maria Riesch kurz davor, erschrocken die Hände zu heben. „Nein, auf keinen Fall. Ich will jetzt nur konstant unter die besten zehn kommen.“ Und noch eins möchte sie anmerken: „Wenn Lindsey nicht gestürzt wäre, dann wäre sie vor mir gelandet.“ War ebenfalls sehr nett gemeint.

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