Wintersport : Maria Riesch: Nicht perfekt, aber stolz

Maria Riesch fährt im Slalom auf Rang drei und unterstreicht ihrer Fähigkeiten als Allrounderin.

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Der Kampf mit der Stange. Maria Riesch hatte in Maribor im ersten Durchgang Probleme mit dem Kurs, im zweiten fuhr sie auf Rang...EPA

Mit dem linken Ski blieb sie hängen, ziemlich weit oben. Unten im Ziel konnte es jeder sehen, die Szene lief auf der riesigen Videowand. Und in der Sekunde, in der Marlies Schild aus Österreich stürzte, jubelten die Zuschauer. Tina Maze, die Slowenin, war Zweite im Weltcup-Slalom, bei ihrem Heimrennen in Maribor, das stand nun fest. Schild war die überragende Läuferin nach dem ersten Durchgang gewesen, sie hatte mit mehr als eine Sekunde Vorsprung geführt, sie war die letzte Fahrerin des Rennens. Den Sieg sicherte sich nun Kathrin Zettel, Schilds Landsfrau. Zettel liefen Freudentränen über die Wangen. Am Samstag hatte sie schon den Riesenslalom gewonnen.

Maria Riesch weinte nicht, dazu hatte sie keinen Grund. Aber sie lächelte. Ein dritter Platz, das ist doch auch etwas. Schon nach dem ersten Durchgang war sie Dritte. Gleich hinter der Slalom-Weltmeisterin platzierte sich Susanne Riesch. Wieder ein Tag der deutschen Fahrerinnen, wie beim Riesenslalom zuvor. Fanny Chmelar wurde Achte, Christina Geiger Zehnte, vier Frauen im Slalom unter den Top zehn, so eine Bilanz konnte keine andere Nation vorweisen.

Eine Stunde später hastete Maria Riesch zum Mannschaftsbus, das Team bereitete schon die Heimreise vor. Die 24-Jährige stieg ein „mit dem stolzen Gefühl, dass ich hier die beste Allrounderin war“. Obwohl beide Läufe „nicht wirklich perfekt waren“. Vor allem der erste Lauf hatte die Grenzen der Slalom-Fahrerin Maria Riesch aufgezeigt, trotz Rang drei. Was auch viel mit einem tschechischen Trainer zu tun hatte. Der soll nämlich noch nie einen Weltcup-Slalom gesteckt haben, wie Maria Riesch gehört hatte. Bis Maribor.

Spätestens im Ziel glaubte sie die Geschichte. „Der Kurs war brutal eckig gesetzt, schon extrem.“ Mit einem eckigen, sprich breit gesteckten Kurs, sagte die Führende der Slalom-Gesamtwertung, habe sie Probleme. Maria Riesch ist auch eine exzellente Speedfahrerin, sie sagt, sie brauche eine gewisse Geschwindigkeit, auch im Slalom. Sie ist 1,82 Meter groß, sie hat längere Hebel als andere. „Manchmal sind mir meine langen Beine im Weg“, sagte sie. Zettel ist einen Kopf kleiner als Riesch, nach dem ersten Durchgang lag sie auf Rang zwei. Je breiter die Tore gesteckt sind, umso weniger Geschwindigkeit können die Fahrerinnen aufnehmen. Zudem sind die Ski von Maria Riesch etwas weniger tailliert als die vieler Konkurrentinnen. Die können daher aggressiver fahren.

Marlies Schild ist 1,72 Meter groß, der Kurs kam ihr entgegen. Nicht ohne Grund hatte sie einen Vorsprung von 1,09 Sekunden. Außerdem konzentriert sie sich in dieser Saison ganz auf Slalom. Sie kann ganz anders trainieren als die Allrounderin aus Garmisch-Partenkirchen. „Sie hat ein optimales Timing an den Toren“, sagt Maria Riesch. Dieses optimale Timing hatte Schild in Flachau bewiesen, als sie sich in einem grandiosen zweiten Lauf noch den Sieg gesichert hatte. Nach dem ersten Durchgang hatten Susanne und Maria Riesch dort klar geführt. Am Ende wurde Maria Riesch Zweite, Susanne Riesch schied aus. Der Kurs in Flachau war im ersten Durchgang sehr flüssig gesteckt, er kam Maria Riesch entgegen. Die konstatierte in Maribor erleichtert, dass zumindest der zweite Lauf auch einigermaßen flüssig gesteckt war. Ein Schwede hatte die Stangen platziert.

Maria Riesch könnte auch experimentieren, sie könnte auf kürzeren Ski fahren. Ihre Slalom-Ski sind 1,60 Meter lang, viele andere Frauen fahren mit 1,58-Meter-Brettern. Schild verwendet zeitweise sogar 1,55-Meter-Ski, damit ist sie enorm wendig „Aber das mache ich nicht“, sagt Riesch. „Das bringt nichts, dafür trainiere ich zu selten Slalom.“

Mathias Berthold, der Cheftrainer der deutschen Frauen, würde die Hände überm Kopf zusammenschlagen, wenn sie ihm mit dieser Idee käme, jetzt, kurz vor den Olympischen Spielen. Er hält sich sowieso nicht groß auf mit Kategorien wie „eckig“ oder „flüssig“. Er denkt lieber ganz pragmatisch: „Die Maria ist im Slalom eine klare Medaillenkandidatin.“ So einfach ist das.

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