Wintersport : Pilot René Spies beendet Bob-Karriere

Ein Weltklassefahrer geht dem deutschen Bobsport verloren: Der Winterberger René Spies verabschiedet sich vom Leistungssport. Ständige Verletzungen machen den Profisport unmöglich. Seine Kollegen trauern um den "Teamplayer".

Frank Kastner[dpa]

WinterbergVerletzungen und Rückschläge pflasterten seinen Weg, den er mit viel Kampfgeist bis Vancouver 2010 gehen wollte. Eine erneute Oberschenkelverletzung zwingt Bobpilot René Spies nun doch vorzeitig zum Karriere-Ende. "Es tut mir vor allem für meine Mannschaft leid, doch nach den Klasseergebnissen bei den Anschub-Tests dürften die Jungs schnell ein neues Team finden", sagte der Olympia-Fünfte im Viererbob.

Der 34-jährige Winterberger musste bereits in der vergangenen Saison nach einer schweren Brustmuskelverletzung pausieren. Als TV- Experte stand er am Eiskanal. Obwohl er am Mikrofon genauso überzeugte wie an den Lenkseilen, schuftete er täglich für sein Comeback. Nach vielversprechenden Leistungstests und mit einem leistungsstarken Team mit den Neuzugängen Marc Kühne und Thomas Pöge wollte sich Spies noch einmal den Traum von einer Olympia-Medaille erfüllen.

Weltklassepilot geht verloren

"Die Verletzung im Beuger am Oberschenkel ist nicht so dramatisch, doch die Saison ist damit wieder gelaufen", betonte Spies, der 2003 WM-Dritter und Europameister im Zweierbob wurde und sich im Vorjahr den deutschen Meistertitel im Viererbob holte. "Das ist ein extrem schwerer Verlust für den Verband, da René mit seiner professionellen Einstellung ein Vorbild war", sagte der Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), Stefan Krauß.

Cheftrainer Raimund Bethge, nach seinem Horrorcrash im olympischen Eiskanal von Cesana vor zwei Jahren selbst Dauerpatient, zeigte Verständnis. "Ich habe ihn bewundert, wie er die letzten Tiefschläge immer wieder wegsteckte. Sicher ist er aber gerade dadurch an einem Punkt angekommen, wo jedem die Kraft ausgeht", sagte Bethge und betonte: "Mit ihm verliere ich nicht nur einen Weltklassepiloten, sondern auch einen Athleten, der über viele Jahre einer der ehrlichsten und zuverlässigsten Mitstreiter war. Für den deutschen Bobsport ist es ein sehr großer Schock."

Spies war ein Teamplayer

Spies war in der harten Branche immer ein Teamplayer mit großer Verantwortung für seinen Sport. So verweigerte er auf der brutalen Piste in Lake Placid einen Start, weil die schlecht präparierte Eisbahn ein zu hohes Risiko für sein Team darstellte. Dennoch holte er wenige Monate später auf dieser Bahn WM-Bronze. "Ich hoffe, dass uns Rene im deutschen Bobsport erhalten bleibt, weil ich weiß, dass wir ihn brauchen", sagte Bethge. (mit dpa)

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