Wintersport : Rodeln: Drei Rennen, neun Podestplätze

Die deutschen Rodler gewinnen in Oberhof alle Wettbewerbe. Eisschnellläuferin Jenny Wolf holt Bronze bei der WM. Die Biathlon-Staffel der Herren wird nur Vierter.

Oberhof - Die drei Bundeswehr-Soldaten im Zielraum der Rodelbahn in Oberhof hatten an diesem Wochenende bei der Siegerehrung einen leichten Job: Einfach die deutsche Fahne nehmen und sie hochziehen auf den Mast. Die Soldaten mussten sich nicht merken, ob sie die Fahne für Platz eins, zwei oder drei in der Hand hielten, und sie mussten sich auch nicht merken, ob nun gerade die Siegerehrung für den Doppelsitzer, Frauen- oder Männereinzel anstand. Denn alle neun Podestplätze des Rodel-Weltcups von Oberhof gingen an bundesdeutsche Rodler- und Rodlerinnen.

„Wir haben die Männer ein bisschen unter Druck gesetzt“, sagte Tatjana Hüfner. Die Weltcupführende hatte am Samstag den fast schon üblichen Dreifacherfolg der Frauen perfekt gemacht, zuvor waren auch die Doppelsitzer zum Dreifacherfolg gerodelt. Und schließlich konnten am Sonntag auch die drei Thüringer Andreas Langenhan, Johannes Ludwig und Jan Eichhorn den Heimvorteil nutzen. Ein Ausrufezeichen für die Olympischen Spiele? „Das sagt für Vancouver gar nichts aus“, sagte Tatjana Hüfner, „die Bahn in Whistler ist eine ganz spezielle Bahn, da müssen wir erst einmal gut runter fahren.“ Zudem hätten dann die amerikanischen und kanadischen Rodler einen Heimvorteil. Dass dieser nicht unwichtig ist, haben die deutschen Rodler ja gerade in Oberhof gezeigt.

Bei der Eisschnellläuferin Jenny Wolf hingegen kann von Heimvorteil keine Rede sein. Rund 11 000 Flugkilometer legte sie zurück, um am vergangenen Wochenende bei der Sprint-Weltmeisterschaft in Obihiro auf der japanischen Insel Hokkaido an den Start gehen zu kommen. In der Nacht zum Sonntag erlebte sie auch noch ein Erdbeben der Stärke 3 mit. „Das Hotel hat ganz schön gewackelt und geknarrt“, sagte sie. Wegen dieser schwierigen Umstände war sie am Ende mit der Bronzemedaille hinter der Südkoreanerin Lee Sang-Hwa und der Japanerin Sayuri Yoshii zufrieden. „Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Hause“, sagte sie, „die strapaziöse Reise hat sich gelohnt und ich weiß jetzt, was ich noch verbessern muss.“

Im Biathlon hat die deutsche Männer-Staffel ihren Heimvorteil nicht nutzen können. Vor 21 700 Zuschauern in der Chiemgau-Arena belegte die Staffel lediglich Platz vier. Allerdings hat Bundestrainer Frank Ullrich auch auf Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher verzichten müssen, die wegen Erkältungen passen mussten. In der Besetzung Christoph Stephan, Daniel Böhm, Alexander Wolf und Michael Greis belegte das DSV-Team nach einer Aufholjagd von Greis mit 2:21,1 Minuten Rückstand auf Sieger Russland immerhin noch Platz vier. „Ich bin sehr optimistisch“, sagte Frank Ullrich, „die Jungs haben sich aus einer sehr defensiven Position wieder nach vorne gebracht.“ Der Bundestrainer sieht einen Aufwärtstrend. „Ich würde am liebsten sechs Athleten mit nach Vancouver nehmen“, sagte er, „und ich bin frohen Mutes, dass Wolf und Simon Schempp die Norm in Antholz auch noch packen.“ ben/dpa

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