Wintersport : Skispringer: Unverändert mit Neuerungen

Die deutschen Skispringer starten mit altem Personal in die Saison und müssen sich trotzdem umgewöhnen. Beim neuen Punktesystem werden die Windverhältnisse nach einer komplizierten Rechnung ins Gesamtergebnis miteinbezogen.

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Neuer Anflug. Auch Martin Schmitt hängt noch mindestens eine Saison dran.
Neuer Anflug. Auch Martin Schmitt hängt noch mindestens eine Saison dran.Foto: dpa

Berlin - Die neue Saison hat für die deutschen Skispringer mit einem kleinen Skandal begonnen. Anfang November bei der Einkleidung der Leistungssportler des Deutschen Skiverbandes (DSV) in Ingolstadt hatte sich der neue Kotrainer Marc Nölke in alkoholisiertem Zustand derart daneben benommen, dass dem Verband gar nichts anderes übrig geblieben war, als ihm nach nur wenigen Monaten fristlos zu kündigen. Der Skisprungtrainer hatte einige Verbandsmitglieder verbal beleidigt und ließ sich dabei auch von seinem Vorgesetzten, Bundestrainer Werner Schuster, nicht stoppen. Dass sich Nölke für sein „unerklärliches Verhalten“ entschuldigte, nutzte ihm auch nichts mehr.

Ohne Nölke also starten die deutschen Skispringer am Samstag beim Weltcup in Kuusamo, Finnland, in die neue Skisprungsaison. Das allerdings war es schon an personellen Veränderungen im deutschen Skisprung-Lager. Das ist durchaus bemerkenswert, nutzten doch alle übrigen DSV-Abteilungen die nacholympische Saison, um ihren Kader zu verjüngen und altgediente Helden in den Ruhestand zu schicken. Nur die Skispringer gleiten in nahezu unveränderter Formation in die Anlaufspuren. Sogar die beiden 32-Jährigen, Martin Schmitt und Michael Uhrmann, hängen noch mindestens eine Saison dran. „Ich habe vor der vergangenen Saison und auch mitten drin über den Schlusspunkt nachgedacht“, sagte Michael Uhrmann, „aber nach Olympia und der Silbermedaille mit dem Team war klar, dass ich noch ein Jahr weitermache.“

Vielleicht ist die personelle Konstanz ganz vernünftig, zumal sich im technischen Bereich im Skispringen einiges geändert hat. Der Body-Mass-Index ist von 20,0 auf 20,5 heraufgesetzt worden. Das bedeutet, dass die Skispringer im Verhältnis zu ihrer Körpergröße wieder etwas mehr wiegen dürfen, und es begünstigt Skispringer wie Martin Schmitt, der in der vergangenen Saison große Mühe hatte, sein Wettkampfgewicht zu halten. Neu ist auch, dass viele Skispringer das starre Bindungssystem übernommen haben, mit dem der Schweizer Simon Ammann in Vancouver zum Doppel-Olympiasieg geflogen ist.

Und schließlich müssen die Skispringer auch mit dem neuen Punktesystem umgehen lernen. In dieses werden die Windverhältnisse nach einer komplizierten Rechnung ins Gesamtergebnis miteinbezogen. Das begünstigt Veranstalter und Fernsehen, weil der Wettbewerb nicht mehr wegen jeder Windböe unterbrochen werden muss. Aber es benachteiligt die Zuschauer. Nun wird öfter als vorher nicht immer derjenige gewinnen, der am weitesten geflogen ist. Auch daran müssen sich alle erst mal gewöhnen.

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