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Wintersport : Stefan Kraft gewinnt die Vierschanzentournee

Stefan Kraft triumphiert als siebenter Österreicher in Folge. Den Tagessieg in Bischofshofen holte sein Landsmann Michael Hayböck.

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Stefan Kraft jubelt mit dem Siegerpokal in der Hand.
Stefan Kraft jubelt mit dem Siegerpokal in der Hand.Foto: dpa

Jemand hatte „Kraftl“ in den Schnee neben der Paul-Ausserleitner-Schanze geschrieben, und wenn man genauer hinsah, war auch klar, wer. Die Schrift trug die gleiche ungewöhnliche neonrosarote Farbe wie der Seitenstreifen auf dem Aufsprunghügel. Beim Präparieren der Schanze war wohl noch etwas Farbe übrig gewesen, weshalb die offenbar gar nicht so neutralen Organisatoren des abschließenden Springens der Vierschanzentournee schriftlich deutlich machten, wem ihre Anfeuerung gilt: Stefan Kraft. Und der enttäuschte sie nicht.

Platz drei in Bischofshofen reichte Kraft zum Gesamtsieg

Der in 15 Kilometer Entfernung aufgewachsene Österreicher hat auf seiner Heimschanze den bisher größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Mit einem dritten Platz in Bischofshofen hat Stefan Kraft zum ersten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. „Es ist unglaublich, dass das hier zu Hause geklappt hat“, sagte er, „ich bin ein bisschen nervös geworden beim zweiten Sprung, aber als ich unten war, war es geil.“ Er führte eine Tradition fort, die nun schon seit sieben Jahren bei der Vierschanzentournee besteht: In Bischofshofen feiert immer ein Österreicher den Gesamtsieg, diesmal waren es sogar zwei. Die 20 000 Zuschauer im Sepp-Bradl-Stadion durften mit bengalischem Feuer auch noch den Tagessieg von Michael Hayböck bejubeln und damit einen österreichischen Doppelsieg in der Gesamtwertung.

 „Es ist ein Traum“, sagte Michael Hayböck, „ich habe immer gesagt, dass ich am liebsten bei der Tournee meinen ersten Weltcupsieg feiern möchte.“ Hayböck, dem am Ende in der Gesamtwertung nur sechs Punkte auf Platz eins fehlten, siegte vor dem erneut sehr stark springenden 42 Jahre alten Japaner Noriaki Kasai.

"Mit den Österreichern konnten wir nicht mithalten", sagte Bundestrainer Werner Schuster

 Die deutschen Springer Richard Freitag und Severin Freund konnten mit den Plätzen sechs und acht nicht an den Erfolg von Innsbruck anknüpfen und schlossen die Tournee ebenfalls auf den Plätzen sechs und acht ab.  Dort finden sich Marinus Kraus, Michael Neumayer und Stephan Leyhe auf den Plätzen zwölf bis vierzehn wieder. Ein versöhnlicher Abschluss einer Tournee, die schlecht begonnen hatte für die Deutschen. „Es war eine schwierige Tournee, aber wir haben uns zurückgekämpft“, sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster, „mit den Österreichern konnten wir aber nicht mithalten.“

Simon Ammann stürzte schwer

 Der rotweißrote Jubel wurde in Bischofshofen allerdings überschattet von Simon Ammanns Sturz im zweiten Durchgang. Der Schweizer, konnte einen Flug auf 136 Meter nur kurzzeitig stehen, fiel dann vornüber in den Schnee aufs Gesicht und schlitterte regungslos weiter. Er war kurzzeitig ohne Bewusstsein und blutete aus dem Mund. Ein Krankenwagen brachte ihn ins Krankenhaus, nach ersten Informationen war er wieder bei Bewusstsein und konnte Arme und Beine bewegen. Bereits in Oberstdorf war er nach der Landung  gestürzt, da allerdings hatte ihn der Neuschnee gebremst und er konnte sofort wieder aufstehen. In Bischofsofen ließ sich der nach ihm springende Michael Hayböck nicht davon beeinflussen. „Ich habe keine Sekunde daran gedacht“, sagte er, „ich habe den Sturz nicht richtig mitbekommen.“

 Bereits am Montag war der US-Amerikaner Nicholas Fairall in der Qualifikation ebenfalls bei der Landung schwer gestürzt und musste an der Wirbelsäule notoperiert werden. „Er hat die Operation überstanden und ist guter Dinge“, sagte Rick Bell, Chef des Skisprungteams der USA. Weitere Details über die Verletzung wurden zunächst nicht bekannt. Die Bischofshofener Schanze besitzt zwar einen ungewöhnlich langen Absprung. „Als ich das erste Mal in Bischofshofen gesprungen bin, habe ich geglaubt, ich bin auf einer Skipiste“, sagt der österreichische Skisprung-Experte Toni Innauer. Doch damit hatten die beiden Stürze nichts zu tun.

 Das Publikum war nach Simon Ammanns Sturz nur kurzzeitig geschockt. Dann feierte es seine beiden Lokalhelden, die auf den Schultern ihrer Teamkollegen durch das Stadion getragen wurden. Ihr Erfolg zeigt auch, dass das österreichische Team den Trainerwechsel von Alexander Pointner auf Heinz Kuttin gut vollzogen hat. Mit Stefan Kraft und Michael Hayböck haben zwei Freunde die Tournee gewonnen, auf Reisen teilen sie sich ein Doppelzimmer. Nun sind sie im Skispringen das Maß aller Dinge und führen auch gemeinsam die Weltcupwertung an. „Das Gelbe Trikot beflügelt mich schon sehr, jetzt sitzt mir auch noch der Kraftl im Nacken“, sagte Michael Hayböck, „wir haben beide den Kopf geschüttelt und gesagt: unglaublich.“ Aber bei der Vierschanzentournee ist für Springer aus Österreich offenbar alles möglich.

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