Sport : Wir basteln uns einen Aufschwung

Der FC Bayern München deutet das 0:0 bei Celtic als Indikator für eine grandiose Zukunft

Daniel Pontzen

München. Niemand wird Uli Hoeneß eine besondere Nähe zur amtierenden Bundesregierung nachsagen können, doch am späten Dienstagabend drängte sich der Eindruck kurzzeitig auf. So nachhaltig sprach der Manager von Bayern München vom nahenden Aufschwung, dass man ihm unterstellen mochte, er habe gemeinsam mit Gerhard Schröder einen Kurs in Öffentlichkeitsarbeit besucht. „Ich bin total begeistert von der Mannschaft, vor allem im kämpferischen Bereich lässt diese Leistung sehr große Hoffnungen wachsen für die Champions League, für die nächsten Spiele in der Meisterschaft“, sagte Hoeneß in Einklang mit entschlossener Mimik und Gestik. Im Übrigen, so glaube er, sei „jetzt der Geist der Mannschaft wieder da – dieses Spiel hat die Mannschaft gebraucht“.

Die formvollendete Zuversichtsrhetorik war mit das Auffälligste am Auftritt der Bayern in Glasgow, geschlossen wurde sie nach dem unansehnlichen, mühsam erkämpften 0:0 bei Celtic von den führenden Klubangestellten bemüht. Wer anstelle des Spiels nur die Kommentare mitbekam, konnte leicht davon ausgehen, es habe eine Münchner Gala stattgefunden im Celtic Park. Und auch wenn das allenfalls im Hinblick auf das kämpferische Engagement in der zweiten Halbzeit ansatzweise zutraf, wäre es fahrlässig gewesen, die Gelegenheit auszulassen. Die Bayern nutzten bei ihrer verbalen Nachlese die Gunst der Tabellenkonstellation, die ihnen – obwohl Letzter - bei einem Heimsieg im abschließenden Vorrundenspiel gegen Anderlecht ein Weiterkommen garantiert. Eilig jazzten Hoeneß & Co. das Match zum famosen Schlüsselspiel hoch, das die Wende bedeuten solle in dieser bislang eher missglückten Saison.

„Wir verstehen es eben einfach immer, in Krisen unsere Kräfte zu bündeln. Wir wissen, was wir zu tun haben, wenn es schwierig wird“, gab Oliver Kahn mit stechendem Blick die FC-bayerische Version von Franz Müntefering. Dann fügte der Torhüter an: „Wenn wir jetzt ruhig bleiben und daran anknüpfen daheim gegen Anderlecht, dann ist alles möglich in dieser Saison.“ Für den Fall, dass ihn jemand nicht genau verstanden habe, buchstabierte er seinen Gedanken aus: „Dann sind auch alle drei Titel möglich.“ Es klang ähnlich vermessen, als plante die SPD mit einer baldigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.

Ohne Zweifel bot das Spiel aus Münchner Sicht positive Aspekte. Was die Bayern in Schottland auszeichnete, war der Wille, sich nicht wie im Vorjahr dem drohenden Schicksal widerstandslos zu ergeben. Der Deutsche Meister nahm den groben Kampf der Schotten an. Franz Beckenbauer, der per Learjet eingeflogen worden war und das Spiel aus der Fernsehkabine verfolgt hatte, hatte sich an dieser Variante des Fußballs nicht erwärmen können. Also schwärmte er munter von den Schotten: „Was diese Mannschaft 70 Minuten für ein Tempo gegangen ist, hat mir schon imponiert. Dass sie lauffreudig sind, dass sie Begeisterung im Spiel haben“, das vermisse er bei seinen Bayern, „das ist die Leidenschaft, die unserem Spiel ein wenig abgeht.“ Logisch, aus der neuen Ausgangsposition solle die Mannschaft nun Selbstvertrauen schöpfen. Aber, sagte Beckenbauer und durchkreuzte den Plan seiner Führungskollegen: „Wenn man kritisch ist, dann haben wir heute keinen Schritt nach vorne gemacht.“

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