Sport : „Wir bewegen uns im Mittelfeld“

Präsident Dieter Hauert über den Stellenwert von Albas Basketballern in Europa – und Dirk Nowitzki

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Fällt es ihnen schwer, heute in die Halle zu gehen? Alba Berlins erstes Spiel im UlebCup dürfte Sie schmerzlich daran erinnern, dass ihr Klub im letzten Jahr nicht Deutscher Meister geworden ist.

Ganz und gar nicht, denn der Uleb-Cup ist für mich kein Loser-Cup. Da müssen und wollen wir jetzt eben spielen. Wenn wir nicht in der höchsten europäischen Liga dabei sein können, dann spielen wir eben in der zweithöchsten. Nur in Deutschland zu spielen, wäre für mich sportlich nicht interessant genug. Der Uleb-Cup als Auffangbecken ist ein Segen.

Was will Alba in diesem Wettbewerb erreichen?

Am schönsten wäre es natürlich, den Cup zu gewinnen, denn so würden wir uns direkt wieder für die Europaliga im nächsten Jahr qualifizieren. Aber wenn man sich unsere Gegner anschaut, stellt man fest, dass große Hürden auf uns warten. Bereits unser erster Gegner am Mittwoch ist sehr stark. Schon der Name ist schwer auszusprechen.

Buducnost Podgorica.

Ja, genau. Die haben einen ausgezeichneten Kader. Ich halte den Uleb-Cup insgesamt für ziemlich stark besetzt.

Sehen Sie Chancen, an 1995 anzuknüpfen, als Alba den Korac-Cup gewonnen hat?

Durchaus. Der Korac-Cup war damals auch die zweite europäische Liga. Von diesem Erfolg zehren wir heute noch. Dahinten steht er (zeigt auf eine Nachbildung des Pokals, der in der Mitte seines Büros auf einem Sockel steht). Unser Abschneiden in der Europaliga im letzten Jahr und teilweise davor war sportlich nicht befriedigend.

Als Alba vor einiger Zeit als europäischer Mittelklasseverein bezeichnet wurde, haben sich einige Verantwortliche im Klub darüber aufgeregt. Wo sehen Sie Alba heute in Europa?

Ich glaube, dass wir uns im Augenblick tatsächlich im europäischen Mittelfeld bewegen. Über uns spielen 40 Vereine und unter uns spielen 40 Vereine. Die Mannschaft ist jetzt gefragt, nicht den Anschluss an die ganz Großen zu verlieren. Hat sich die schwache letzte Saison negativ auf das Image von Alba ausgewirkt?

Es leidet überhaupt nicht darunter. Wir spielen mit Stolz im Uleb-Cup. Und stellen Sie sich vor, wir würden jedes Jahr Deutscher Meister werden. Dann wäre die Bundesliga doch langweilig.

Die Bundesliga ist bisher nicht langweilig Am Samstag verlor Alba in Bonn, die Aufbauspieler Mithat Demirel und Gerald Brown blieben unter ihren Möglichkeiten.

Stimmt, beide sind noch nicht in Hochform. Die Saison hat gerade erst angefangen. Wenn die Play-offs beginnen, werden sie in Hochform sein. Bis dahin ist noch viel Zeit. Wir werden noch öfter verlieren. Nur sollten wir möglichst viele Schlagerspiele gewinnen, andernfalls würde unser Image tatsächlich leiden.

Mehrere ehemalige Identifikationsfiguren haben Alba im Unfrieden verlassen: Nach Wendell Alexis zuletzt Marco Pesic. Mit Trainer Svetislav Pesic stritten Sie sich im letzten Jahr über eine Zeitung. Wie ist das zu erklären?

Alle Trennungen verliefen aus meiner Sicht friedlich. Ob der eine oder andere damit zufrieden war, unterliegt der subjektiven Betrachtung. Es gibt Dinge, die von außen vielleicht anders wirken, als sie tatsächlich sind. Vertragsauflösungen behandeln wir vertraulich und professionell. Ich kann aber so ein dummes Gerede wie von Alexis nicht mehr hören. Er bekam zum Abschied eine kostbare Uhr geschenkt im Rahmen einer Feier und war sehr zufrieden. Wir bleiben persönlich in Kontakt, ich schätze ihn und weiß, dass er für unsere Entwicklung sehr wichtig war. Eine Identifikationsfigur wie er ist nicht so einfach zu ersetzen.

Eine andere Identifikationsfigur, Teammanager Henning Harnisch, hat in einem Interview einen späteren Wechsel Dirk Nowitzkis zu Alba Berlin ins Gespräch gebracht. Wäre das wirklich denkbar?

Natürlich macht es Spaß, so etwas zu sagen, aber das ist kein ernsthaftes Thema. Nowitzki spielt doch noch zehn Jahre in der NBA, und wenn er zurück nach Deutschland kommt, hat er soviel Geld verdient, dass er kein professionelles Basketball mehr zu spielen braucht. Wenn doch, dann allerdings bei uns.

Und wie lange wollen Sie noch im Basketball mitmischen – als Sie 1991 als Alba-Präsident angefangen haben, wollten Sie den Job nur drei oder vier Jahre machen?

Alba ist für mich ein langfristiges Projekt. Wenn ich irgendwann im Himmel bin, dann möchte ich gefragt werden: Ist Alba eine europäische Spitzenmannschaft? Und ich möchte diese Frage bejahen können.

Das Gespräch führten Ingo Schmidt-Tychsen und Benedikt Voigt

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